Gastbeitrag
Warum Gründer weniger produktfixiert sein sollten

„Gründer sind oft zu produktverliebt und schenken Marketing wenig Beachtung. Es ist aber elementar“, sagt Marketing-Experte Dominic Multerer. Denn: „Beim Kaufen regiert der Bauch und nicht der Kopf.“
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UrbarZu Beginn einer jeden Unternehmensgründung steht ein Produkt, egal ob Dienstleistung, Handel oder Industrie. Jeder möchte sein Produkt an den Mann bringen. Viel Zeit, Schweiß und Blut stecken die ambitionierten Gründer in ihre Geschäftsidee. Es gilt die Vision zu verwirklichen und das Produkt zu schärfen, zu perfektionieren – darauf wird sich fokussiert.

Marketing ist ein Thema, welches Gründern nicht unbedingt von Anfang an in den Sinn kommt. Verständlicherweise möchten sie ihr Produkt immer weiter optimieren. Somit werden Themen wie Corporate Design, eine qualitative eigene Webseite, Markenkommunikation und Co. vertagt. Gründe dafür sind in der Praxis häufig der Mangel an den verfügbaren Ressourcen Zeit und Geld. Außerdem lässt die eigene Überzeugung die Notwendigkeit des Themenbereichs Marketing kaum erkennen. Man ist so sehr von seiner Idee überzeugt, dass man glaubt, dass sich diese allein trägt - und Leute verbreiten sie automatisch.

Im persönlichen Umfeld, gerade zum Start eines Unternehmens, gelingt es meistens, dass der Freundes- und Bekanntenkreis unterstützt. Häufig hat das weniger mit der Idee zutun als mit der „persönlichen Sichtbarkeit“  der Gründer, die ihre Idee und Vision vermitteln können. Erste Umsätze sind da, der Glaube an sich selbst und das Produkt wird bestätigt – „es läuft“.

Die Unternehmensmarke sichert sich die Existenzberechtigung, ist jedoch nur geprägt durch das Produkt. Die erkennbare Wertigkeit geht dabei verloren, sie wurde von Anfang an meist nicht richtig kommuniziert. Der Vertrieb funktionierte durch persönliche Kontakte. Sobald das Unternehmen florieren soll, verlässt man schnell das eigene Netzwerk und spricht fremde Dritte an. Dabei wird die Außenwirkung der Eigenmarke oft vergessen beziehungsweise man erkennt nicht, dass man „Fremde“ anders überzeugen muss als Freunde, Bekannte und Verwandte.

Das Auftreten ist semi-professionell, weil die Zeit für die Auseinandersetzung mit einer bodenständigen Markenstrategie gefehlt hat und alles „schnell, schnell“ gehen musste. Jetzt ist man plötzlich ein kleiner Fisch in einem gewaltigen Ozean der Marken; jeder möchte Aufmerksamkeit und seine Botschaft senden.

Es beginnt die eigentliche Herausforderung: Die Gründer sind produktfixiert und haben selten ein wirkliches Auge für Marketing und Vertrieb. Das Produkt steht 100 Prozent im Fokus. Das Marketing wird schnell zum Nebenkriegsschauplatz.

Kommentare zu " Gastbeitrag: Warum Gründer weniger produktfixiert sein sollten"

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  • Ihre Vorstellung in Ehren.

    Ich habe mich nebenberuflich selbständig gemacht im Bereich Immobilien. Vermietung von Bestandsimmobilien aus Familienbesitz. Nur in Metropolen. Von 1996 – 2009 habe ich Mietobjekte zugekauft. Seit 2009 nicht mehr.

    Markting ist da wichtig. Ja. Bis zum Abschluss des Mietvertrages. Und insbesondere den richtigen Mieter auszuwählen.

    Wichtiger ist den Markt zu kennen und sinnvoll zu investieren.

    Warum soll ich mich um den Mieter („Kunden“) nach Einzug noch kümmern? Der Vertrag ist geschlossen (und nicht anfechtbar), das Übergabeprotokoll einwandfrei, es ist ein Zeitmietvertrag....

    Mieterbetreuung findet durch einen Dienstleister kostenoptimiert statt. Aberntestrategie.

    Jede Branche ist eben unterschiedlich

  • Seichte Einführung ins Marketing. Kann jeder so schreiben, der sich das erste Kapitel eines Buches durchgelesen hat. Ich kann schwer glauben, dass viele Gründer so kurzsichtig sein sollen -- dass Marketing wichtig ist, ist kein Untergrundwissen und dürfte jedem bekannt sein.

    Offenbar will Herr Multerer jedoch nur die erreichen, die gründen und doof genug sind. Schließlich stellt er sich hier als Experte und Berater zu Verfügung.

    Darüber hinaus, die zwei Musterbeispiele:

    5-Sterne-Redner: Dominic Multerer gehört selbst dazu. Eigenwerbung.
    camgula: Dominic Multerer ist Geschäftsführer. Eigenwerbung.

    Sollte Journalismus in der Regel nicht unabhängig sein? Hat es das Handelsblatt so sehr nötig, eine Anfängereinführung von einem 20-Jährigen geschrieben zu bekommen, dass sie ihm das Recht eingestehen, in dem Artikel nur Selbstdarstellung zu betreiben? Eigentlich sollte man das nicht als Gastbeitrag sondern als Anzeige ausschreiben. Das wäre gegenüber den Lesern fair.

  • Dem Artikel ist nicht viel hinzuzufügen. Gekauft werden Vorstellungen, nicht Produkte. Was den Nachteil hat das auch viele schlechtere Produkte erfolgreicher sein können, als Gute. Genau deshalb werben Großunternehmen mit riesigen Budgets und reagieren so empfindlich, wenn plagiiert wird. Denn nur so lassen sich günstige Produkte überteuert verkaufen.
    Bestes Beispiel sind die Finanzmärkte der letzten Jahre. Was aber auch beweist, dass irgendwann diese Diskrepanz aufgedeckt wird. Es gibt daher Geschäftsmodelle, die darauf basieren schnell eine Marktdurchdringung gegen hohe Margen zu erreichen und sich erfolgreich zurückzuziehen, bevor das Missverhältnis auffällt.
    Diese Gesellschaftskritik ändert aber nichts am Mechanismus zeigt aber auf, worin teilweise ebenfalls die Ursachen der aktuellen Krise liegen. außerdem sollte sich jeder Gründer über diese Spannungsverhältnis bewusst sein, um nicht am Ende dem eigenen Marketing zum Opfer zu fallen.
    Es fehlt an einem Korrektiv, dass die Marketingwelt und Produktnutzen real zusammenhält. Die Imagewerbung z.B. der Automobilindustrie ist ein deutliches Indiz für das Auseinaderfallen von innerem Wert und Wahrnehmung.
    Das macht anfällig für den Tag, an dem ein Kind ausruft, "der Kaiser steht ja ohne Kleider da".
    Der Finanzindustrie ist genau das passiert u.a. weil Dienstleistungen anfälliger sind für Abhämgigkeit vom Marketing als physische Produkte. aber auch die Geschichte des "Neuen Marktes" für Technologieunternehmen spiegelt diesen Sachverhalt wieder.

    H.

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