Unternehmensbewerter
Der Mittelstand unter der Lupe

Der Markt für Unternehmensbewertungen wächst. Das betrifft auch den Mittelstand. Immer häufiger nehmen sich Steuerberater der Aufgabe an. Denn sie kennen die Firmen sowieso schon in- und auswendig.
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BerlinOb Eigentümerwechsel, Nachfolgeregelung, Abfindung eines Anteilseigners, Ehescheidung oder Sanierungsfall - es gibt viele Anlässe für eine Unternehmensbewertung, auch im Mittelstand. Zuletzt führte die Erbschaftsteuerreform für eine wachsende Zahl von Fällen. Und sollte die SPD im kommenden Jahr einen Regierungswechsel schaffen und dann wie angekündigt die Vermögensteuer wieder einführen, ergäbe sich sogleich ein neuer Bewertungsanlass.

Der Trend führt dazu, dass auch immer häufiger Steuerberater auf dem Markt für Unternehmensbewertungen tätig werden. "Mittelständische Unternehmen breiten vor ihrem Steuerberater ohnehin die intimsten Dinge aus", sagt Martin Jonas, Mitglied des Vorstands der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton. "Es ist darum naheliegend, dass der dann auch Bewertungen übernimmt."

Der Berufsstand will nun eine Debatte über das neue Betätigungsfeld initiieren und zugleich eine Professionalisierung bei der Unternehmensbewertung erreichen. So lädt etwa die Bundessteuerberaterkammer morgen unter dem Motto "Steuerberater als Sanierungsberater" zum Spezialseminar. Die Idee: Wenn dem Steuerberater bei der Durchsicht der betriebswirtschaftlichen Auswertung auffalle, dass das Unternehmen deutlich hinter dem Branchendurchschnitt liege oder Marktanteile verliere, könne die Situation analysiert und der Betrieb wieder auf Erfolgskurs gebracht werden.

Jonas, der auch als Professor an der Universität zu Köln zum Thema "Sonderprüfungen" lehrt, wird bei der Veranstaltung von seinen Erfahrungen ebenso berichten wie Andreas Löffler, Professor für Bank- und Finanzwirtschaft in Berlin.

"Dass Parteiengutachten zur rationalen Verhandlungsführung in Auftrag gegeben werden, darf über eines nicht hinwegtäuschen: Dem Gutachter geht es nicht darum, einen objektiv richtigen Wert festzustellen", sagt Löffler. Ziel sei es vielmehr, die eigene Position zu festigen und die des Verhandlungsgegners zu schwächen. Der Gutachter vertrete in erster Linie die Interessen seiner Mandanten. "Er ist aber gewissen Grundsätzen verpflichtet", betont Löffler.

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  • Guten Tag Turbo1,

    ja Zinssätze in der Diskontierung und diesbezügliche Multiplikatoren sind bei "nicht bewertungserfahrenen" Steuerberatern / WP´s immer wieder eine deutliche Fehlerquelle.

    Mehr jedoch, das das "Geschäft und der Betriebsübergang als solches" nicht von allen Seiten als Modell(betriebswirtschaftlich, gesellschafts-rechtlich, vertrags-rechtlich, strategisch, operativ, finanztechisch, finanzierungstechnisch, steuerlich, umsetzungstechnisch) im Detail "durchgedacht und durchgespielt" wird, quasi als anzunehmend wahrscheinlich möglichst-bestes Modell. ggf. auch dessen Alternativen.

    Unternehmensbewertung sind, neben Zahlen, eben auch mulidimensional bewertete und gerechnete Modelle zur faktischen Wahrscheinlichkeit der Chancen und Risiken für Übergeber und Übernehmer.

    Da hilft dann DATEV eben nicht mehr......

    www.berndrueegg.de

  • Auch ich kann Herrn Bernd nur zustimmen. Ich mache seit fast 20 Jahren Unternehmensbewertung und Steuerberater/Wirtschaftsprüfer sind hiervon überfordert. Sie versuchen mit steuerlichen Bewertungsmodellen gerecht zu werden, was nur scheitern kann.

    Insbesondere sind die anzuwendenden Zinssätze Steuerberatern mangels Praxis nicht geläufig. Und was nutzt eine akribische Ermittlung des Betriebsergebnisses mit einer Fehlerminimierung im Tausender-Bereich, wenn danach auf das "richtige" Betriebsergebnis falsche Zinssätz/Multiplikatoren angewandt werden ? Diese wirken sich vielfach aus.

    Steuerberater haben ihre Berechtigung im Bereich Steuerberatung, Finanzbuchhaltung, aber bitte nur da.

  • Unsere Erfahrungen zum Thema: Steuerberater macht Unternehmensbewertung, sind eher nachhaltig desaströs, wenn es sich nicht um Steuerberater handelt, die:

    a) zum Thema UB nachhaltig aus- und ständig fortgebildet sind (IDW S1 obligatorisch)
    b) sehr regelmäßig zum Thema UB beauftragt werden, damit nachhaltig UB-Routine haben
    c) über die steuerlich-zahlentechnische Brille hinaus, auch planerisch-strategisch UB können

    Zumindest für die sehr deutliche Mehrzahl der kleinen Stb-Büros in Deutschland ist das nicht der Fall, wenn es um die Bestimmung „marktnormaler“ Unternehmenswerte geht, also eher „Unternehmens-Bepreisung“, denn der Ermittlung von „bewertungs-theoretischen Werten“.

    Motto: Unternehmens-Wert (besser –Preis) ist was der Käufer real bezahlen will/kann und die typische Sparkasse/Volksbank auch, mit angenommen 30% EK des Käufers, also 70% FK des Kaufpreises, real finanziert und mit oder ohne KfW-Ausfallbürgschaft.

    Für insbesondere KMU liegt hier die Messlatte zum „marktnormalen“ Unternehmenswert, i.e. nur was kauftechnisch „real geht“, ist verkaufstechnisch „real einforderbar“.

    Im Rahmen von stringent nach steuerlichen UB-Verfahren (BewG/Stuttgarter V.) ermittelten Unternehmenswerten (DATEV lässt grüßen) sind solche „marktnormalen“ Unternehmenswerte nicht zu ermitteln.

    Auch IDW S1 lässt hier, insbesondere zur KMU-UB (i.e. unsystematische Risiken, WACC und CAPM lassen grüßen), sehr wesentliche Fragen offen, die dennoch für eine sachgerechte UB einzurechnen sind.

    P.S. und da ist dann (für uns) noch sehr und völlig regelmäßig der Steuerberater, dem wir 3x im Detail vorrechnen müssen (Excel-Tabellen + finanzielles + steuerliches Ablaufschema), warum im Detail ein Sharedeal oder ein Assetdeal „preislich“ auseinanderfallen und dann „steuerlich“ oder „betriebswirtschaftlich“ dennoch jeweils fundamental sinnvoll sein können.

    www.berndrueegg.de

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