Start-up-Finanzierung
Engel mit Geld gesucht

Wer als Unternehmensgründer einen Wagniskapitalgeber sucht, muss sich mühen. Denn die wählen ihre Engagements sehr genau aus. Wer geringe Fixkosten und ein vielversprechendes Geschäftsmodell hat, hat die besten Chancen.

FrankfurtSammy Gebele hat einen Plan: Er möchte regional verfügbare Bio-Lebensmittel über ein Online-Netzwerk zugänglich machen. Einen Namen hat er schon: Foodie Square. Was Gebele nicht hat, ist ausreichend Startkapital. Deshalb hat er Kontakt zum "Business Angels"-Verein in Frankfurt aufgenommen. Ein erster Erfolg: Hier kann er sein Geschäftsmodell erfahrenen Managern und ehemaligen Unternehmern vorstellen, die ihr Portfolio um ein paar Geschäftsgründungen erweitern wollen. Für die Präsentation in einem Nebenraum des großen Handelssaals der Frankfurter Börse hat der 31-Jährige eigens ein T-Shirt bedrucken lassen und einen Allgäuer Bergkäse mitgebracht. Vor seinem Vortrag geht er persönlich durch die Reihen und verteilt reichlich Käsestücke unter den "Unternehmensengeln".

Nach dem Vortrag bestürmen die etwa 20 potenziellen Geldgeber Gebele mit Fragen: Was kostet es, die Bio-Produkte zu testen? Wer bezahlt den Versand? Wie viele Mitarbeiter müssen bezahlt werden? Ein Lob schiebt sich dazwischen: Gebeles Geschäftsidee kommt ohne teures Warenhaus aus. Dennoch wirkt der Uni-Absolvent verunsichert angesichts der vielen Fragen.

Wer an Wagniskapital - das sogenannte Venture Capital (VC) - kommen möchte, muss mittlerweile viele Fragen beantworten. Zwar hat sich das Geschäftsklima auf dem deutschen Beteiligungsmarkt zuletzt spürbar verbessert, wie der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) gemeinsam mit der Förderbank KfW für das zweite Quartal herausgefunden hat. Der Geschäftsklimaindex der Risikokapitalbranche stieg zur Jahresmitte um 12,6 Punkte auf 59,6 Punkte - so hoch wie zuletzt im Frühjahr 2007, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise.

Deutsches Wagniskapital verzinst sich besonders gut

"Der Ausblick ist aufgrund der jüngsten Marktturbulenzen jedoch wieder unsicherer geworden", sagt BVK-Geschäftsführerin Ulrike Hinrichs. An die Boomzeiten der New Economy, als Start-ups sich ihre Kapitalgeber noch aussuchen konnten, wird die Branche daher auch weiterhin nicht wieder anknüpfen können. "Damals haben viele Investoren sehr freigiebig in VC-Fonds investiert und dabei auch viel Geld verloren", sagt Hinrichs. "Seitdem sind sie gerade hierzulande sehr vorsichtig geworden."

Gerade Start-ups aus kapitalintensiven Branchen haben es schwer, an frisches Geld zu kommen, sagt Hendrik Brandis, Mitgründer der VC-Gesellschaft Earlybird. Es sei jedoch falsch, ganze Branchen - etwa die Halbleiterindustrie - abzuschreiben. "Es kommt nach wie vor auf die Idee und das Gründerteam an."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%