Stihl
Wenn die Motorsäge vom Roboter kommt

Stihl hat ein neues Rekordjahr hinter sich. Die Finanzkraft erlaubt Vorstöße in neue Richtungen. Der Hersteller von Motorsägen will so seine Fertigung modernisieren – und setzt dabei voll auf Roboter.
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WaiblingenDer Motorsägenhersteller Stihl jagt von Rekordjahr zu Rekordjahr. Die Finanzkraft aus dem Stammgeschäft ermöglicht nicht nur hohe Investitionen, sondern erlaubt auch Vorstöße in neue Bereiche. So ist Stihl in Deutschland und den USA in die kollaborative Robotik eingestiegen. Dabei geht es um Roboter, die keine Schutzzäune mehr brauchen und die Hand in Hand mit Menschen arbeiten können.

„Wir testen die Roboter in der Serienfertigung und integrieren sie in unsere Automatisierungstechnik“, sagte Stihl-Chef Bertram Kandziora auf der Jahreskonferenz des Waiblinger Traditionsunternehmens. Dabei werden die Modelle von Kuka, Fanuc und auch Bosch verwendet. Selbst bauen will der Motorsägenhersteller solche Roboter nicht. Kandziora unterstrich aber die Bedeutung dieser innovativen Technologie: „Die ‚kollaborative Robotik‘, das intelligente Zusammenarbeiten von Mensch und Roboter, bedeutet einen Quantensprung für die Arbeitswelt.“

Die neue Robotergeneration mit ihrer feinen Sensorik und Bilderkennung war eines der Hauptthemen der Hannover Messe in diesem Monat. Die neue Robotik ist einer der Bausteine der vernetzten Industrie 4.0. Dem Mittelstand wird in der Diskussion darüber häufig vorgeworfen, zu wenig für den digitalen Umbau der Wirtschaft zu tun. „Wir haben schon viele Dinge, die heute auf Kongressen und Messen präsentiert werden, längst in der Automatisierung unserer Fertigung in der Praxis“, entgegnet Kandziora. Für ihn sei Robotik ein fester Bestandteil der Automatisierung. „Technisch ist die vollautomatisierte Produktion längst möglich. Aber es muss auch von den Kosten her sich rechnen“, räumte der Stihl-Chef ein. Noch sei die Vollautomatisierung zu teuer.

Stihl kann sich die Investitionen in modernste Fertigungstechnik leisten. Im vergangenen Jahr investierte Stihl rund 180 Millionen Euro. Trotz eines Dämpfers wegen der Russlandkrise bleibt Stihl auch für 2015 optimistisch. „Ich erwarte für das nächste Jahr moderates Wachstum“, sagte der Stihl-Chef. Schon im ersten Quartal habe Stihl ein Umsatzplus verbucht. Die Absatzplanung für Russland sei aber deutlich nach unten korrigiert worden.

Vor der Krise sei Russland nach Stückzahlen die „Nummer Zwei“ für Stihl gewesen. Der Einbruch werde in anderen Regionen teilweise ausgeglichen. Dank des starken US-Dollars rechnet der Hersteller 2015 zum ersten Mal seit Jahren außerdem nicht mehr mit negativen Währungseinflüssen.

2014 hatte Stihl vor allem dank guter Verkäufe in Nordamerika seinen Umsatz um 5,9 Prozent auf 2,98 Milliarden Euro steigern können. In allen wichtigen Märkten außer Russland habe Stihl eine positive Entwicklung verzeichnet. Angaben zum Gewinn macht das Unternehmen nicht. Es habe aber ebenso wie Absatz und Umsatz einen Rekordwert erreicht, so Kandziora. Das Unternehmen gehört der Familie Stihl mit Hans Peter Stihl nach wie vor als persönlich haftenden Gesellschafter. die Eigenkapitalquote liegt bei stattlichen 70 Prozent.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

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