Studie
Warum Familienunternehmen in der Krise besser sind

Unternehmerische Werte und Langfristigkeit sind die entscheidenden Gründe für den Erfolg der Unternehmen. Im Gegensatz zu einigen Dax-Konzernen können viele Familienbetriebe eine starke Eigenkapitalquote vorweisen. Einzig eine länger andauernde Krise könnte Probleme bereiten.
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STUTTGART. Unternehmen in Familienhand erweisen sich im Vergleich zu den großen Dax-Unternehmen als krisenfester. Das ist das Ergebnis einer Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts für Mittelstandsforschung in Mannheim (ifm). „Familienunternehmen sind Jobmotor und wachsen dynamisch auch in rezessiven Zeiten“ betont Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Nach seiner Einschätzung werden die von Familien kontrollierten Betriebe auch die Wirtschaftskrise besser überstehen als viele an der Börse gelistete Firmen: Unternehmerische Werte und eine auf Langfristigkeit ausgelegte Strategie nannte der Stiftungsgründer als entscheidende Gründe. Außerdem hätten viele große Familienunternehmen starke Eigenkapitalquoten, um auch eine längere Durststrecke zu überstehen. Dass die großen Familienunternehmen krisenresistenter sind als Nicht-Familienunternehmen zeige auch die Umsatzentwicklung. Die Erlöse seien zu Krisenbeginn im Jahr 2008 wesentlich schwächer eingebrochen als bei den Dax-Unternehmen.

Ob die Familienunternehmen am Ende tatsächlich besser durch die Krise kommen werden, hängt allerdings auch von der Dauer der Krise ab. Eigentümergeführte Unternehmen neigen nach Einschätzung von Experten dazu alle Reserven in der Krise auszuschöpfen, um nicht entlassen zu müssen. Dauert die Krise wesentlich länger als befürchtet, kann sich dieses lange Festhalten an der Belegschaft im schlimmsten Fall aber auch rächen. Beispielsweise wird in der Automoblizulieferindustrie 2010 mit einer Pleitewelle gerechnet, wenn die Reserven aufgebraucht sind. Kommt die Nachfrage nicht in Schwung, sind auch viele Familienunternehmen gefährdet.

Die 500 größten Familienunternehmen haben laut Studie zwischen 2006 und 2008 ihre Beschäftigtenzahl jährlich durchschnittlich um 2,2 Prozent erhöht, während die Dax-Unternehmen die Anzahl ihrer Arbeitsplätze im Schnitt um 2,6 Prozent vermindert haben. Während die 500 größten Familienfirmen ihre inländischen Belegschaften von 2,1 Mio. Beschäftigten auf 2,2 Mio. aufgebaut haben, wurden in den Dax-26-Unternehmen (ohne die in Familienhand befindlichen Beiersdorf, Metro, Henkel und Merck) um 100 000 Stellen auf 1,4 Mio. abgebaut.

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  • Welche Familienunternehmen sind denn gemeint? Sal. Oppenheim, Märklin, Schiesser, Schaeffler et al.?

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