Überstunden sammeln auf Gleitzeitkonten
Zeitwertkonten: Jede Minute zählt

Gefragt sind Lösungen, die auf das Unternehmen individuell zugeschnitten sind. So können Betriebe ihren Ingenieuren auch nur Teilzeitregelungen anbieten anstatt eine komplette Freistellung. Schließlich sind erfahrene Ingenieure am Arbeitsmarkt äußerst rar. Rauser Towers Perrin hält Zeitwertkonten somit selbst in Kleinstunternehmen für möglich. "Es gibt keine Grenze nach unten", sagt Michael Karst, der Experte für Zeitwertkonten bei der Unternehmensberatung.

Etwas anders sieht man das bei der Schweizer Investmentbank Credit Suisse, die den Hamburger Flughafen betreut. Die komplexe Verwaltung und die Kosten für Berater-Honorare oder eine externe Verwaltung schrecke Mittelständler ab, heißt es bei dem Bankhaus. "Zeitwertkonten sind unseres Erachtens für Firmen mit mehr als 300, besser 500 Mitarbeitern geeignet", sagt der Leiter für Unternehmenskommunikation, Valentin Jakubow.

Zunehmend werden die Zeitwertkonten in Geldeinheiten, nicht in Zeiteinheiten geführt. "Für Geld spricht schon allein, dass heute meist mehr Einkommen als Überstunden in das Zeitwertkonto eingestellt wird", erklärt Karst. Weit verbreitet sind Geldanlagen, bei denen das Risiko mit zunehmendem Alter reduziert wird. Während zunächst viel Geld in Aktien investiert wird, wandern später immer mehr sichere Papiere ins Depot. Neben diesem sogenannten Lebenszyklusmodell haben die Mitarbeiter des Hamburger Flughafens noch eine zweite Option: Wer auf Nummer sicher gehen will, legt das Geld in einem geldmarktnahen Fonds an. Die Verzinsung ist dann aber nur etwa so hoch wie bei einem Termingeldkonto.

Besonders lukrativ werden Zeitwertkonten dadurch, dass die Beiträge aus dem Bruttogehalt steuerfrei auf das Konto fließen. Erst bei der Auszahlung werden Steuern und Sozialabgaben fällig. Weil der Arbeitnehmer in der Arbeitspause weniger verdient, fallen weniger Steuern an. Bis dahin erwirtschaftet das Geld Zinsen ohne Abzüge. Bei anderen Anlageformen wären Kapitalertragsteuern fällig.

Doch was passiert bei einem Jobwechsel? Kaum jemand bleibt heute noch ein Leben lang im selben Betrieb. Die Zeitwertmodelle der Unternehmen sind aber meist nicht kompatibel. Die Arbeitnehmer müssen dann ihr Zeitwertkonto auflösen. Die Steuervorteile sind futsch, und der Ruhestand rückt wieder in weite Ferne.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%