Umsatzsteuergesetz
Bürokratie hemmt Factoring

Der Deutsche Factoring-Verband fordert eine Änderung des Umsatzsteuergesetzes, um die Anbieter von Factoring von Zahlungsunsicherheiten zu befreien. Nach Meinung von Branchenvertretern erschwert das Gesetz den Forderungsankauf.

FRANKFURT. „Einige Regularien sind unnötig und hindern die Branche daran, ihr Geschäft auszuweiten“, sagt Verbandsgeschäftsführer Alexander Moseschus. Die Factoring-Gesellschaften kritisieren einen Paragraphen des Umsatzsteuergesetzes, der den Finanzämtern Zugriff auf verkaufte Forderungen verschafft. Das Geschäft eines Factoring-Anbieters besteht darin, seinen Kunden täglich die Rechnungen abzukaufen, die sie ausgestellt haben. Die Unternehmen haben dadurch sofort Geld auf der Hand und müssen sich nicht mehr darum kümmern, die Forderungen einzutreiben. Das stärkt das Kapital und spart Aufwand, was auch solide, alteingesessene Unternehmen wie die Augsburger Lech-Stahlwerke zu schätzen wissen. Für die Finanzdienstleistung behält der so genannte Factor eine Gebühr von 0,5 bis etwa acht Prozent der Rechnungssumme – der Preis hängt auch vom Risiko ab.

Das Risiko ist jedoch insgesamt höher, wenn sich der Factor nicht sicher sein kann, die Forderung in vollem Umfang behalten zu können. Paragraph 13c des Umsatzsteuergesetzes sagt klar: Wenn der Factoring-Kunde – warum auch immer – seine Umsatzsteuer nicht zahlt, darf sich der Fiskus den Betrag vom Factor holen. Eine Verwaltungsanweisung mahnt die Finanzämter zwar zu vorsichtigem und eingeschränktem Umgang mit diesem Paragraphen. „Doch wir Factoring-Anbieter müssen für den Fall von Nachforderungen Rückstellungen bilden“, sagt Thorsten Klindworth von der A.B.S. Global Factoring. Das bedeutet: Auf die Kunden kommen höhere Gebühren zu. Das Factoring kann dadurch den Unternehmen nicht so viel Liquidität verschaffen. In seltenen Fällen könne es sogar vorkommen, dass ein Geschäft nicht zu Stande komme, so Klindworth. Eine Factoring-Gesellschaft klagt daher bereits vor dem Bundesgerichtshof in einem Musterverfahren. Das Ziel: Klarstellen zu lassen, dass zumindest nicht sowohl ein Insolvenzverwalter als auch das Finanzamt auf die gleichen 16 Prozent Umsatzsteuer zugreifen können.

Den Chef des großen Factoring-Anbieters Coface Finanz, Franz Michel, stört überdies, dass sich Lieferanten nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch an den Factor halten können, wenn einer ihrer Kunden die Ware nicht bezahlt. Diese Regel nennt sich „verlängerter Eigentumsvorbehalt“ und betrifft nur das vereinfachte Factoring, bei dem die Forderung nicht den Besitzer wechselt. „Das ist einer der Gründe dafür, dass in Deutschland das unechte Factoring noch relativ selten ist“, so Michel. In anderen Ländern sei gerade dieses Geschäftsmodell besonders beliebt. Eine weitere Forderung des Factoring-Verbands an die Politik: Der Bundestag soll die internationale Konvention zur Forderungsabtretung der Handelskommission der Vereinten Nationen ratifizieren. Die Konvention vereinheitlicht die Übertragung internationaler Rechnungen und erleichtert so das Geschäft. „Insgesamt sind die Rahmenbedingungen für eine weitere Expansion des Factoring in Deutschland nicht schlecht“, sagt Moseschus, der gerade ein Verbandsbüro in Berlin eröffnet hat. Dennoch würde eine Entrümpelung der Gesetze deutlich dazu beitragen, die Verbreitung dieses Finanzinstruments zu fördern.

Aktzeptanz steigt

Früheres Image: „Die haben es nötig!“, hieß es bis in die 90er-Jahre oft, wenn ein Unternehmen sich entschloss, seine Forderungen bei einem Factor zu Geld zu machen.

Heutiges Image: Eine Studie des FAZ-Instituts zusammen mit der Royal Bank of Scotland hat ergeben, dass sich das Image deutlich verbessert hat. Factoring wird als Möglichkeit wahrgenommen, Geschäftsabläufe unkomplizierter zu gestalten und zugleich die Liquidität zu verbessern.

Ausland vorn: Dennoch ist Factoring im Ausland immer noch deutlich beliebter als in Deutschland (siehe Grafik). Der Anteil der Rechnungen, die über einen Factor laufen, ist in Großbritannien fünfmal größer als hier zu Lande.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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