Unternehmensfinanzierung
Good-bye Börse

Es war Ende der 1990er Jahre, als es Unternehmen aus den Bereichen Medien und Informationstechnologie magisch an die Börse zog. Doch die Euphorie ist vorbei. Die Unternehmen, die noch übrig sind, machen sich zunehmend auf die Suche nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten.

FRANKFURT. Es war Ende der 1990er Jahre, als es Unternehmen aus den Bereichen Medien und Informationstechnologie magisch an die Börse zog. Fast zehn Jahre später ist der einst umjubelte und dann ins Bodenlose abgestürzte "Neue Markt" Vergangenheit. Viele der damals an die Börse eilenden Firmen existieren nicht mehr. Diejenigen, deren Geschäft aber noch läuft, stellen sich zunehmend die Frage, ob sie sich nicht besser auf die Suche nach anderen Finanzierungsmöglichkeiten machen. Denn häufig dümpelt der Aktienkurs vor sich hin - und genau an dieser Stelle kommen Finanzinvestoren ins Spiel.

"Momentan prüfen einige Private-Equity-Häuser börsennotierte Unternehmen im Small- und Mid-Cap-Segment", sagt Christian Aders, Managing Director bei dem auf Bewertungsfragen spezialisierten Beratungshaus Duff & Phelps. Trotz der Finanzkrise rechnet er damit, dass der eine oder andere Finanzinvestor die häufig günstigen Bewertungen nutzt, um Firmen von der Börse zu nehmen - "Public-to-Private" lautet dieses Vorgehen im Fachjargon.

Aders Prognose ist bereits Realität. Beispiel Computerlinks: Im Juli 1999 ging der Münchener IT-Großhändler an die Börse. Damals kostete die Aktie 22 Euro, alleine die Erstnotiz lag sechs Euro über dem Emissionspreis. Doch mit dem Platzen der New-Economy-Blase fand auch der Höhenflug des Computerlinks-Papiers ein jähes Ende. In den vergangenen Jahren pendelte die Aktie meist irgendwo um die 13 Euro. Mit den entsprechenden Konsequenzen: Für Zukäufe und Expansion fehlten den auf IT-Sicherheit spezialisierten Münchenern die Mittel und eine Kapitalerhöhung hätte sich kaum gelohnt. Daran änderte auch der Umstand nichts, dass Computerlinks mit 490 Mitarbeitern und einem Umsatz von gut 100 Mio. Euro längst den Kinderschuhen entwachsen ist.

Computerlinks-Chef Stephan Link kam es folglich durchaus gelegen, dass Barclays Private Equity im Juni ein Übernahmeangebot für das Unternehmen abgab. "Wir wollen mittel- und langfristig wachsen, dafür brauchen wir einen starken Partner", meldete sich der Firmengründer damals zu Wort.

Mittlerweile hält Barclays mehr als 88 Prozent an Computerlinks. Eine Hauptversammlung soll Ende des Jahres dem Rückzug von der Börse zustimmen - ein Herausdrängen der Minderheitsaktionäre (Squeeze-Out) steht bislang hingegen nicht oben auf der Agenda. Die auf Mittelständler spezialisierte Beteiligungsgesellschaft bekam das Unternehmen fast zum Schnäppchenpreis. Die Offerte von 15,50 Euro je Aktie entspricht einem Unternehmenswert von gerade einmal rund 110 Mio. Euro. Und dennoch dürfte manch ein Aktionär gejubelt haben: Immerhin betrug die Prämie knapp 40 Prozent.

"Man muss heute feststellen, dass die Börse gerade im Bereich kleinerer Unternehmen nicht immer der ideale Platz ist", begründet Michael Bork, Managing Director bei Barclays Private Equity den Einstieg. Im Falle von Computerlinks habe die Börse als Finanzierungsinstrument schlichtweg nicht funktioniert. Das Unternehmen habe zudem Schwierigkeiten gehabt, Strategie und Erfolge an die Anteilseigner zu kommunizieren. "Auch das Management war mit der Situation nicht zufrieden", meint Bork.

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