Unternehmensgespräch: Wolfgang Fritsch-Albert
„Diese Bußgelder sind verfassungswidrig“

Der Chef des Energie- und Gaseversorgers Westfalen AG wehrt sich gegen die Bußgeldpolitik des Kartellamts. Von Absprachen könne auf dem hart umkämpften Flüssiggasmarkt keine Rede sein, sagte der Mittelständler im Gespräch mit dem Handelsblatt.
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Handelsblatt: Herr Fritsch-Albert, die Wettbewerbshüter fahren schweres Geschütz auf. Sie fordern von Ihnen und neun weiteren Flüssiggasfirmen über 250 Millionen Euro wegen illegaler Absprachen.

Wolfgang Fritsch-Albert: Was da gerade passiert ist nach meiner Überzeugung verfassungswidrig. Das Kartellamt verhängt Bußgelder in einer Höhe, die eigentlich nur ein Gericht als Strafmaß festlegen dürfen sollte. Der ehemalige Vorsitzende der Monopolkommission, Wernhard Möschel, bezeichnet die heutige Praxis sogar als Lebenslüge.

HB: Die Firmen sollen "Verbraucher durch Absprachen systematisch geschädigt" haben.

Fritsch-Albert: Da muss ich heftig widersprechen. Es gab Wettbewerbsregeln, die das Kartellamt vor Jahren abgesegnet hat. Nun sollen das unzulässige Kundenschutz- und Preisabsprachen sein. Tatsache ist, dass der Flüssiggasmarkt von fast 60 vor allem mittelständischen Anbietern bedient wird, die in hartem Wettbewerb stehen.

HB: Die Preise waren nicht zu hoch, wie das Kartellamt behauptet?

Fritsch-Albert: Das Kartellamt unterstellt hundert Prozent überhöhte Preise. Das ist lächerlich. Hier werden Geschäftsmodelle miteinander verglichen, die man nicht vergleichen kann. Wir betreiben teure Lagerhaltung und stellen damit auch die Versorgung in extrem kalten Wintern sicher, andere verkaufen nur Flüssiggas.

HB: Die Westfalen AG kommt vergleichsweise glimpflich davon.

Fritsch-Albert: Es geht ums Prinzip. Das Kartellamt wollte anfangs 54 Millionen Euro von uns haben und jetzt 18,75 Millionen Euro. Daran können Sie sehen, dass bei der Berechnung etwas nicht stimmt. Schlimm empfinde ich aber die öffentliche Vorverurteilung.

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