Unternehmer im Gespräch
„Einige Mittelständler sind spät aufgewacht“

Wer Fehler macht, soll dafür gerade stehen, findet Daniel Terberger vom Textildienstleister Katag. Im Handelsblatt-Interview spricht er über klassische, unternehmerische Werte – und erklärt, warum er Staatshilfen ablehnt.

Handelsblatt: Herr Terberger, Sie sind Dienstleister für den mittelständischen Textileinzelhandel. Können Sie in der Wirtschaftskrise noch ruhig schlafen?

Daniel Terberger: Ja, klar. Unser Bielefelder Familienunternehmen, die Katag AG, steht auf gesunden Beinen. Wir waren immer vorsichtige Kaufleute, haben wenig Bankkredite und eine gute Eigenkapitalbasis. Und wir sind nicht den Finanzierungsmoden von Beratern und Bankern gefolgt.

Sie wollen also keine Staatshilfen beantragen?

Nein, um Himmelswillen! Ich lehne solche Rettungsfonds grundsätzlich ab. Der Staat sollte auf keinen Fall einspringen, wenn ein Manager oder Unternehmer sich verkalkuliert oder riskante Geschäfte eingeht. Er muss selbst die Verantwortung tragen, wenn etwas schief läuft.

Hätte die Bundesregierung bei Arcandor nicht eine Ausnahme machen sollen?

Nein. Ich finde es richtig, dass Frau Merkel hart geblieben ist. Die Karstadt-Warenhäuser haben mit ihrer Einkaufsmacht doch jahrzehntelang die Preise massiv gedrückt und damit auch viele kleinere Textileinzelhändler in die Knie gezwungen. Das ist natürlich viel einfacher, als sich mit guter Erlebnis- und Servicequalität oder neuen Geschäftsideen durchzusetzen. Und jetzt, wo Karstadt in Nöten ist, sollen die Mittelständler mit den anderen Steuerzahlern als Retter einspringen? – Niemals!

Sie können doch nicht Karstadt alleine den Schwarzen Peter dafür geben, dass die Zahl der Textileinzelhändler in den vergangenen zehn Jahren extrem gesunken ist.

Nein, das möchte ich auch nicht. Natürlich wächst auch die Konkurrenz durch große Filialisten wie Esprit und Zara von oben, sowie Discounter wie Kik und Takko von unten.

Der Einzelhandel selbst hat doch auch Fehler gemacht!

Sicherlich ist mancher mittelständische Händler zu spät aufgewacht. Auch in Kleinstädten und auf dem Lande wollen die Kunden ja heutzutage sofort die Mode in den aktuellen Trends und zu akzeptablen Preisen kaufen, und zwar als Erlebnis. Wenn Sie das als Einzelhändler nicht leisten können, haben Sie verloren.

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