Unternehmergespräch Rügenwalder Mühle
„Wir essen zu viel Fleisch“

Im Kühlregal ist die Rügenwalder Mühle eine Größe. Doch der schrumpfende Fleischmarkt bringt den Chef auf andere Gedanken: Christian Rauffus denkt an Soja-Schnitzel und kann fleischfreien Kantinentagen etwas abgewinnen.
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Bad ZwischenahnDer Satz am Heck von Christian Rauffus’ Geländewagen ist ein Zungenbrecher: „Anaal natrach uttwaas petatt dooch yell diähn weeh.“ Mit diesen Worten beschwört der Zauberer Merlin in einem Fantasy-Film der achtziger Jahre einen Nebel herauf. Das würde Rauffus, wenn er auf der Jagd ist, auch gern können: sich auf der Pirsch in Dampfschwaden unsichtbar machen.

Aber dieser Wunsch gilt nur für sein Hobby. Im Betrieb hat sich der Chef der Rügenwalder Mühle gerade für das Gegenteil entschieden. Den Moderator Jörg Pilawa, der als Werbebotschafter engagiert war, hat Rauffus weggeschickt. Stattdessen preist der 60-Jährige, flankiert von Mitarbeitern, nun selbst Teewurst und Schinken an: „Wurstmachen ist Charaktersache.“

Der Auftritt des Chefs soll Vertrauen schaffen für Fleischprodukte – gerade jetzt, in einer Zeit, da Massentierhaltung in der Kritik steht und Vegetarismus in Mode ist. „Ich musste meinen inneren Schweinehund überwinden“, sagt Rauffus im Gespräch mit Handelsblatt Online über die Idee für den Werbespot – natürlich meint er nicht sein Faible für die Wurst, sondern den persönlichen Auftritt im Fernsehen (Volltext zum Download und für Abonnenten der iPad-App Handelsblatt Live).

In sechster Generation führt er das Familienunternehmen in Bad Zwischenahn nahe Oldenburg. Idyllisch ist es dort allerdings nicht, darauf deutet schon die Anschrift hin: Industriestraße 5. Es ist eine Fabrik mit 400 Mitarbeitern, der Betrieb verkauft Fleischprodukte für mehr als 170 Millionen Euro im Jahr. Allein Zigtausende Schweinelebern werden dort jede Woche zu Leberwurst verarbeitet.

Zur Markenbildung beitragen soll auch die 17 Meter hohe Windmühle, die Rauffus hat bauen lassen. Sie ist ein Abbild jener Mühle, die jede Wurstpackung als Firmenlogo ziert, aber gar nicht existierte. Im Bewährungskampf auf einem schrumpfenden Markt hilft die Mühle allein aber nicht. „Wir müssen uns sehr schnell bewegen“, sagt Rauffus. „Der Markt schrumpft – und das mit einer gewissen Berechtigung.“

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„Wir sind nicht mit dem Fleisch verheiratet“

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  • Zitat "Wurstmachen ist Charaktersache"

    Mehr ist dazu wohl nicht zu sagen. Ein Unternehmen, dass 170 Mio. € Umsatz im Jahr macht, ein Unternehmer, der sich über zu wenig Bio-Schweine pro Woche beschwert, als, dass man damit Profit erzielen könnte und der Meinung ist, dass sein Unternehmen zu klein ist, um sich effektiv für artgerechte Tierhaltung einzusetzen... das nenne ich Charakter!

    Da werden soviel Millionen in Werbung gesteckt... sogar die nicht-existente Mühle wird extra nachgebaut, als die ersten Verbraucher sich verarscht vorkamen. Und der gute Herr Rauffus denkt lieber darüber nach, "neue" Märkte zu bedienen, anstatt sich ernsthaft für bessere Bedinungen in seinem Kerngeschäft einzusetzen. Das nenne ich Charakter.

    Ich bin Vegetarier und von Rügenwalder würde ich genauso wenig vegetarische Gerichte kaufen, wie von Wiesenhof oder wie sich diese Massenmord-Gesellschaften auch nennen. Davon ab fleischloser Fleischersatz schmeckt in den meisten Fällen echt widerlich.

  • NIEMALS kaufe ich etwas, wo "öko" oder "bio" draufsteht.

    Wenn das Land wieder zur Vernunft kommen soll, sollten sich möglichst viele diesem Grundsatz anschließen!

  • Die Unschädlichkeit von Soja ist nicht erwiesen. Es gibt keine Langzeitstudien. Soja wurde ursprünglich als Viehfutter angebaut und in Asien nur als Würzmittel verwendet. Soja enthält Isoflavone und Phytoöstrogene. Isoflavone können bei Dauereinnahme (Jahre / Jahrzehnte) zu Zellschäden führen. Phytoöstrogene sind östrogenähnlich. Es gibt Schätzungen das bei reichhaltigem Verzehr von Sojaprodukten (Sojaschnitzel, Sojamilch, Sojapudding, Sojawurst, Tofu, Sojawürstchen) soviel Phytoöstrogene aufgenommen werden, dass es der Wirkung von 3 Antibabypillen pro Woche entspricht. Nicht gut für Männer und nicht gut für Kinder.

    Millionen Deutsche stellen sich jetzt als Versuchskaninchen zur Verfügung. In 20 Jahren haben wir wohl das Ergebnis.

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