Vereinigte Arabische Emirate
Von der Gesundheits- zur Kreditkarte

Üppiges Essen und Bewegungsmangel fordern ihren Tribut. Die starke Zunahme von Wohlstandskrankheiten stellt das Gesundheitssystem der Vereinigten Arabischen Emirate vor große Herausforderungen – und bringt Chancen für Anbieter von Medizintechnik und für Versicherer.

DUBAI. „Zucker, Bluthochdruck und die Folgekrankheiten sind die größten Probleme der Einheimischen, schon junge Menschen leiden darunter“, sagt der leitende Chirurg des Dubai Hospitals, Rolf Hartung. Extrem Übergewichtige, die mehr als 200 Kilogramm auf die Waage bringen, sind nicht selten, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen die Konsequenzen.

In den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) leidet ein Viertel der Bevölkerung unter Diabetes. Zum Vergleich: Weltweit liegt der Anteil bei fünf bis sieben Prozent. Die Kosten für die Therapie der Herz-Kreislauf- Erkrankungen werden bis zum Jahr 2025 auf 25 Prozent der Gesamtausgaben des Gesundheitssektors hochschnellen, warnen die Unternehmensberater von McKinsey.

Da obendrein das Wachstum der Bevölkerung sehr hoch ist, steigt die Nachfrage nach medizinischen Dienstleistungen und Medizintechnik stark: Die Ausgaben werden sich von zwölf Milliarden US-Dollar (US$) im Jahr 2006 auf rund 60 Milliarden US$ im Jahr 2025 verfünffachen, prognostiziert McKinsey für die Staaten des Golfkooperationsrates Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Kosten, die mit dem bisherigen Gesundheitssystem nicht zu bewältigen sind. Deshalb strukturieren die VAE ihr Gesundheitssystem radikal um.

Im Kern zielen die Reformen auf die Einführung der Krankenversicherungspflicht ab. Noch bis vor wenigen Jahren garantierte die „Health Card“ der Bevölkerung eine kostenlose Behandlung. Auch die Einführung einer Pflegeversicherung ist geplant. In Abu Dhabi ist eine Krankenversicherung bereits seit 2006 gesetzlich vorgeschrieben.

Im Nachbaremirat Dubai basteln die Behörden noch an der Pflichtpolice. Hier steht auch die Privatisierung der staatlichen Krankenhäuser auf der Agenda. Heute können die öffentlichen Häuser gerade einmal 20 Prozent ihrer Kosten durch eigene Einnahmen decken – das liegt an der meist kostenlosen Versorgung.

Für beide Emirate gilt: Bisher nicht versicherte Patienten, die sich keinen Arztbesuch leisten konnten oder zur Behandlung ins preiswertere Ausland reisten, werden künftig eher im Inland Mediziner aufsuchen. Wann auch in Dubai die Pflichtversicherung kommt, ist offen. Bis dahin können Ausländer, die 80 Prozent der Bevölkerung ausmachen, tun, was sie wollen, eine Versicherung abschließen oder nicht. Gerade die weniger Wohlhabenden aber sind Selbstzahler und gehen - wenn überhaupt - nur im Notfall zum Arzt.

Das Gesundheitssystem ist nicht nur in den Vereinigten Arabischen Emiraten dynamisch. Auch in Bahrain, Katar, Oman und Saudi-Arabien geht der Trend hin zur Krankenversicherungspflicht. Mit einer Bevölkerung von rund 40 Millionen Menschen ist der Markt am Golf attraktiv.

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