Verischerungsbörse
Lloyd’s umwirbt Mittelstand

Deutsche Kunden im Visier der Versicherungsgesellschaft Lloyd's: Die Londoner möchten mittelständische Kundschaft anwerben und gehen dazu in die Offensive. Vorteile einer Zusammenarbeit mit der ungewöhnlichen Versicherungsbörse gibt es viele – allerdings auch Hindernisse.

MONTE CARLO. Die britische Versicherungsbörse Lloyd’s of London will deutsche Mittelständler als Kunden gewinnen. „Diese Kunden haben bisher kaum Zugang zum britischen Markt, deshalb kommen wir ihnen entgegen“, sagte Lloyd’s-Direktor Rolf Tolle dem Handelsblatt am Rande des laufenden Rückversicherungstreffens in Monte Carlo. „Wir suchen eine Persönlichkeit, die im deutschen Industrieversicherungsmarkt einen guten Namen hat und uns beim Aufbau hilft“, ergänzte Tolle. Neben dem Aufbau des Deutschlandgeschäfts will Lloyd’s deutschen Industriekunden direkten Zugang zum traditionsreichen Versicherungsmarkt in London ermöglichen, wodurch diese Gebühren sparen. Außerdem soll die Schadensregulierung vereinfacht werden. Tolle ist Franchise Performance Director von Lloyd’s, was in etwa einem Aufsichtsratschef entspricht.

Lloyd’s ist kein Versicherer im üblichen Sinne, sondern eine Börse. Wert dort mit Risikoschutz handeln will, benötigt eine Zulassung wie an Wertpapierbörsen auch. Bei Lloyd's wickeln 72 solcher Versicherer (Syndikate) mit mehr als 160 akkreditierten Maklern Versicherungsgeschäfte ab. Sie zeichnen Risiken, die ihnen von Maklern im Auftrag der Kunden angeboten werden. Ein Drittel des Geschäfts stammt aus der Rückversicherung, der Rest ist sehr speziell. Lloyd’s ist kein Massenversicherer. Das System hat eine sehr alte Tradition und zeigt immer wieder enorme Flexibilität, wenn es darum geht, außergewöhnliche Risiken abzusichern.

In diesem Jahr setzt der Lloyd’s- Markt rund 25 Mrd. Euro an Beiträgen um. Davon stammen nur etwa 400 Mill. Euro aus Deutschland. Diesen Zustand versuchen die Briten schon seit längerem vergeblich zu ändern. Ein Hindernis: Die abgeschottete Gesellschaftsstruktur verteuert das Geschäft für deutsche Kunden, weil der Lloyd’s-Makler für seine Dienste eine zusätzliche Courtage verlangt. Die liegt zwischen fünf und zehn Prozent des Beitrags, je nach Geschäft. Die deutschen Firmenkunden sparten bei direktem Zugang diese Kosten.

Die sechs größten Versicherungsagenturen von Lloyd’s haben derweil eine Arbeitsgruppe gebildet, um die Zulassungsproblematik zu lösen. Die Gruppe nennt sich „G6“. Sie hat damit begonnen, die Zahlungsströme und die Schadenregulierung zu standardisieren. Bisher müssen ausländische Makler mühsam nachweisen, wie sie die Geschäfte mit Lloyd’s abwickeln wollen, wenn sie eine Zulassung anstreben. Das soll durch die Standardisierung einfacher werden. Dazu hat Lloyd's die Schadenplattform Electronic Claims File (ECF) installiert. Bisher wickelt die Börse darüber gut 40 Prozent der Schäden ab, die sich für eine Standardisierung eignen. „Bis Ende des dritten Quartals 2007 sollen 60 Prozent darüber abgewickelt werden und bis Ende nächsten Jahres 80 Prozent“, sagt Tolle. In Deutschland hat noch kein Makler diese Software. Insgesamt hat Lloyd’s 60 ausländische Makler akkreditiert.

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