Vertrauensschwund
Militärputsch verunsichert Investoren in Thailand

Die seit Februar 2006 anhaltende politische Krise in Thailand hat mit dem in der Nacht zum 20.09.06 erfolgten Militärputsch ihr vorläufiges Ende gefunden. Ob dadurch aber auch das seit Jahresbeginn kontinuierlich nachlassende Wirtschaftswachstum wieder an Fahrt gewinnt, erscheint eher fraglich. Vielmehr dürfte das Vertrauen des Auslandes, insbesondere der ausländischen Investoren, in die demokratischen Institutionen des Königreiches erheblich geschwächt worden sein.

bfai BANGKOK. Die thailändische Wirtschaft, die auf Grund der politischen Querelen im bisherigen Jahresverlauf bereits erheblich an Dynamik verlor, droht nunmehr durch den erfolgten Coup d' Etat vorerst weiter paralysiert zu werden. Zwar scheint der vor allem beim Mittelstand unbeliebte Ministerpräsident Thaksin Shinawatra, der sich noch in New York befindet, seine politische Macht entgültig verloren zu haben. Die Ungewissheit über die künftige Wirtschaftsentwicklung des Landes bleibt daher weiter bestehen.

Thailand hat bereits einige teilweise sehr negative Erfahrungen mit Militärputschs, der letzte fand 1991 statt. Wie lange der von den Militärs gegründete Council of Administrative Reform in Macht bleibt und wann wieder eine zivile Regierung gebildet wird, bleibt vorerst unklar. Für die stark exportorientierte und auf eine intensive Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern angewiesene Wirtschaft sind stabile politische Verhältnisse von ausschlaggebender Bedeutung, um den nach Überwindung der Finanzkrise 1997/98 wiedererlangten wirtschaftlichen Aufschwung fortführen zu können.

Das von der Regierung Thaksin eingeleitete umfangreiche Regierungsprogramm, das die Realisierung von auf umgerechnet über 38 Mrd. Euro veranschlagte Infrastrukturvorhaben, eine beschleunigte Privatisierung von Staatsbetrieben und den Abschluss von mehreren bilateralen Freihandelsabkommen u.a. mit den USA und Japan vorsah, dürfte in weitere Ferne rücken. Zudem könnte Thailand, das als wichtiger und interessanter Investitionsstandort in Südostasien gilt, durch den Militärputsch einiges an Attraktivität verlieren.

Die thailändische Wirtschaft verliert seit Anfang 2006 kontinuierlich an Fahrt. Nachdem im 1. Quartal 2006 lt. Angaben des National Economic and Social Development Board (NESDB) das Bruttoinlandsprodukt (BIP) real noch um 6,1% zunahm, betrug die Wachstumsrate im 2. Quartal lediglich 4,9%. Für die zweite Jahreshälfte rechnet das NESDB mit einer weiteren Verlangsamung des Wirtschaftswachstums auf rd. 4%, nachdem das BIP in den ersten sechs Monaten 2006 noch um 5,5% anstieg.

Das im bisherigen Jahresverlauf deutlich abgeschwächte Wirtschaftswachstum hat den NESDB dazu veranlasst, seine Prognose für 2006 nochmals nach unten zu korrigieren. Nachdem ursprünglich 2006 mit einem realen BIP-Anstieg um 4,2 bis 4,9% gerechnet wurde, ist nunmehr eine Wachstumsrate von 4,2 bis 4,7% zu erwarten. Die thailändische Wirtschaft wuchs 2005 um 4,5%, deutlich langsamer als 2004 (6,2%).

Auch für 2007 wird ein weiter abgeschwächtes Wirtschaftswachstum prognostiziert. So geht das Fiscal Policy Office (FPO) des Finanzministerium 2007 von einer realen Zunahme des BIP um lediglich 3,5 bis 4,5% aus. Erst 2008/09 rechnet das FPO erneut mit einem beschleunigten Wirtschaftswachstum um 5 bis 6%, das vor allem von einer stärkeren Inlandsnachfrage getragen werden soll. Die politischen Turbulenzen der letzten Monate haben den Vertrauensindex der thailändischen Industrie (Thai Industries Sentiment Index) im Juli 2006 auf sein bisher niedrigstes Niveau von 81,4 Punkten, von 87,9 Punkten im Juni gedrückt.

Der Vertrauensschwund bei in- und ausländischen Investoren dürfte sich nach dem erfolgten Militärputsch weiter verstärkt haben. Bereits im 1. Quartal 2005 genehmigte die oberste Investitionsbehörde, das Board of Investment (BOI), Investitionsvergünstigungen für lediglich 314 Vorhaben mit einem Investitionswert von nur 85,6 Mrd. Baht (B; circa 1,82 Mrd. Euro; 1 Euro = rund 47 B), was einem Rückgang auf Jahresbasis um 5% entsprach.

Dieser recht deutliche Abwärtstrend hat sich in den folgenden Monaten weiter verstärkt, so dass sich das BOI zu einer Revision ihrer für 2006 angestrebten Investitionsziele veranlasst sah. Da im 1. Halbjahr 2006 lediglich Investitionsvergünstigungen für Vorhaben im Gesamtwert von 200 Mrd. B genehmigt wurden, rechnet das BOI für das Gesamtjahr 2006 mit der Vergabe entsprechender Vergünstigungen für Investitionsvorhaben im Gesamtwert von 400 Mrd. bis 500 Mrd. B. Ursprünglich ging das BOI von 700 Mrd. B aus.

Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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