Vogtländer richten den Blick nach China
Starke Töne aus dem ostdeutschen „Musicon Valley“

Es herrscht Aufbruchstimmung im „Musicon Valley“. Der Landstrich südlich von Chemnitz ist seit drei Jahrhunderten traditionelles Land der Musikinstrumente. Hier im Vogtland werden Violinen und Bässe, Lauten, Zittern, Harfen aber auch Mundharmonikas und Akkordeons hergestellt. Auf 700 Mill Euro beziffert das Institut für Musikinstrumentenbau (IfM) das Marktvolumen der Branche in Deutschland, 10 Prozent davon entfallen auf das Vogtland.

MÜNCHEN. Mit der Technischen Universität Chemnitz und den Fördergeldern des Bundesforschungsministeriums, BMBF, hat das Land vor wenigen Monaten eine Marketingoffensive gestartet, die den Instrumentenbauern einen festen Platz als Lieferanten für die internationalen Berufsmusiker und die gelegentlichen Geigen- und Flötenspieler sichern soll. Denn die Globalisierung hat den Vogtländern eine harte Konkurrenz beschert. So werden nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden aus China Musikinstrumente im Wert von 55,9 Mill. Euro importiert.

Der eigens gegründete Verein „Musicon Valley“ will seine Marktanteile zurückerobern. „Für teure Solisteninstrumente gibt es solide Wachstumsraten“, ist Simone von der Ohe überzeugt. Die Geschäftsführerin des Vereins, der die Handwerker nach außen vertritt, fügt beinahe entschuldigend hinzu: „Es geht jedoch nur über Verdrängung.“

Ihr Blick richtet sich vor allem auf den chinesischen Markt. Laut Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai), betrug der deutsche Anteil an den Gesamtexporten von Musikinstrumenten nach China 2002 rund vier Prozent. Gerade für Schülerinstrumente, die nicht so teuer sind wie beispielsweise die Solistengeige einer Ann-Sophie Mutter, ist das riesige Land mit dem enormen Potenzial so interessant. Doch die neue Aufgabe mutet wie der Kampf von David gegen Goliath an. „In China werden 160 Euro Lohn im Monat gezahlt“, sagt Simone von der Ohe, „da können wir nicht mithalten“. Ziel der Anstrengung ist es deshalb, die Kräfte und Kapazitäten der 100 Betriebe mit ihren 2 500 Mitarbeitern in einer Marketingstrategie zu bündeln. Der Fokus liegt auf der Werbung und neuen Herstellungstechnologien, wodurch die Produkte verbilligt werden.

„Die Instrumentenbauer haben sich bislang nie vermarktet“, klagt die Musicon-Valley-Geschäftsführerin. „Jeder hatte seine Kontakte in China, Japan oder den USA.“ Diese Geschäftsbeziehungen will der Musicon-Valley-Verein jetzt „in einen Topf werfen“. Die TU Chemnitz als Strategie-Partner wird sie in einer Studie systematisch aufbereiten. „Die Handwerker sollen eine Orientierung erhalten“, sagt Kauffrau Sandra Kaminski vom Studienbereich Wirtschaft. Im Einzelnen heißt das: Die Wissenschaftlerin beleuchtet mit Kollegen die weltweite Musikinstrumentenbranche, gibt Aufschluss über die Konkurrenz, weist Wachstumssparten aus und gibt Handlungsempfehlungen.

Seite 1:

Starke Töne aus dem ostdeutschen „Musicon Valley“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%