Industrie-Supermacht
Chinas Robo-Revolution

Die Automatisierung soll eine wichtige Rolle beim weiteren Aufstieg der Volksrepublik spielen. Deutsche Produzenten wittern die große Chance. Aber gerade chinesische Anbieter wollen sich einen möglichst großen Anteil vom Wachstumsmarkt sichern.

Yinchuan, MünchenNackte Mauern, ein blank polierter Boden und eine große Maschine: Die Arbeiterin in der Fabrikhalle hat sich ihren Mundschutz zurechtgerückt. Stumm beobachtet sie, wie die weißen Reiskörner aus einem Rohr in einen weißen Plastiksack gepresst werden. In Sekundenschnelle näht die Maschine das Paket zu. Eine Rollbahn lässt den prall gefüllten Sack durch die Halle gleiten, bis er von einem Roboterarm aufgehoben und auf eine Palette geschichtet wird.

„Hier geschieht alles automatisch. Die Arbeiter brauchen wir hauptsächlich, um die Maschinen zu überwachen“, sagt Liu Zibin. Er ist der Vizechef der Firma Zhonghang Zhengfei Saiwaixiang, einem der größten Lebensmittelproduzenten der westchinesischen Region Ningxia. 150.000 Tonnen Reis verarbeitet das Unternehmen in der Stadt Yinchuan jährlich. Was früher Bauern in mühseligen Arbeitsschritten erledigten, geschieht heute weitgehend automatisiert: Die Reisfrucht wird von Spelzen befreit, beim Schleifen Silberhäutchen sowie Keimling entfernt und der weiße Reis letztlich verkaufsfertig verpackt.

China, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, entwickelt sich von der Werkbank der Welt zu einem der wichtigsten Wachstumsmärkte für Automatisierungstechnik. „Das klassische Industrialisierungsmodell, das dem chinesischen Entwicklungsprozess der vergangenen 25 Jahre zugrunde lag, ist an seinen Grenzen angekommen“, sagt Georg Stieler, der mit seiner Unternehmensberatung Stieler Enterprise Management Consulting die Entwicklung in der Volksrepublik analysiert hat.

Automatisierung ist eines der wichtigsten Schlagworte in der Reformagenda „Made in China 2025“. Der Pekinger Staatsrat hat darin einen Fahrplan für die Modernisierung der chinesischen Industrie entworfen. China will etablierte Nationen wie Deutschland in Qualität, Effizienz und Nachhaltigkeit einholen. In drei Phasen möchte die Volksrepublik bis zu ihrem 100. Geburtstag 2049 zur „Industrie-Supermacht“ aufsteigen. Deutschlands „Industrie 4.0“ war Vorbild für einige Reformvorhaben, sagt ein hochrangiger Regierungsbeamter, der nicht öffentlich genannt werden möchte.

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