Internetdienste
Der Charme der Provinz

Das große Rennen: Google und der Rivale Facebook entdecken Indien für sich und stürzen sich fernab der Metropolen auf die Kunden auf dem Subkontinent. Es gleicht einem Schachspiel mit hohen Einsätzen.
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Sainthal, San FranciscoDer neue Wachstumsmarkt von Google riecht nach Bauernhof. Durch die staubigen Wege des Dorfes Sainthal, etwa anderthalb Autostunden von der Millionenstadt Jaipur entfernt, laufen Kühe und Ziegen. Der einzige Stolz des Städtchens ist ein kleiner Tempel. Wer kann, zieht in eine der Megastädte, um dort sein Glück zu suchen.

Doch abgeschiedene Dörfer wie Sainthal rücken immer stärker in das Interesse der Internetkonzerne. 9.000 Internet-Lehrerinnen hat Google ausgebildet, um Dorfbewohnerinnen Grundlagen über das Internet beizubringen. Als Erstes lernen sie dort, wie man mit Googles Suchmaschine etwas findet. Mit einem Fahrrad klappern die Dozentinnen abgeschiedene Städtchen ab, auf dem Gepäckträger ein Dutzend Smartphones - und damit auch die ganze Welt.

Es ist nur eine Initiative von vielen, mit denen der US-Konzern die Eroberung der indischen Provinz plant. Und Google ist nicht allein: Auch Rivale Facebook stürzt sich auf die abgeschiedenen Kunden auf dem Subkontinent. Wie Google-Chef Sundar Pichai ist mittlerweile auch Mark Zuckerberg ein guter Bekannter von Regierungschef Narendra Modi. Beide suchen den Schulterschluss mit dem Politiker, der mit seiner Initiative "Digital India" die Vernetzung des Subkontinents vorantreiben will. Der indische Internetunternehmer Mahesh Murthy nennt das Rennen um Indien "ein Schachspiel mit hohen Einsätzen".

Die Unternehmen präsentieren sich gerne als Entwicklungshelfer - doch letztendlich geht es um den wichtigsten Zukunftsmarkt der Branche. Erst rund 350 Millionen Inder haben einen Internetzugang, schon damit ist es laut den Vereinten Nationen nach der Zahl der Nutzer der zweitgrößte Markt hinter China. 2020 könnten es 600 Millionen sein. Zwar seien die Umsätze der Unternehmen gering, sagt Nikhil Prasad Ojha, Partner bei dem Beratungsunternehmen Bain. "Aber es ist eine Wette auf die Zeit." Wer die Inder möglichst früh an sich bindet, ist klar im Vorteil.

Es geht nicht nur um die Masse möglicher Nutzer, sondern um einen Blick in die Zukunft. "Die meisten Inder erleben das Internet zu allererst über das Smartphone", sagt Rajan Anandan, Google-Chef von Indien und Südostasien im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Und genauso wird es auch für die kommenden Generationen in entwickelten Staaten sein."

Das Marktforschungsunternehmen eMarketer schätzt, dass der Suchmaschinen-Riese 2015 die Hälfte seiner Werbeeinnahmen über das mobile Internet generierte. 2017 sollen es 70 Prozent sein. Facebook erzielt schon heute rund 85 Prozent seiner Werbeeinnahmen über Reklame auf Mobilgeräten.

Google muss sich also etwas einfallen lassen: Der Suchmaschinenanbieter vermag Nutzer und deren Verhalten zwar in Echtzeit zu erfassen. Doch was die Nutzungszeit der Plattformen angeht, hängt Facebook die Konkurrenz inzwischen ab. 50 Minuten pro Tag ist der Fan laut Konzernangaben durchschnittlich im sozialen Netzwerk unterwegs, inklusive der Ableger Messenger und Instagram.

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