IT-Fachkräfte
Israel setzt auf arabischen Sektor

Israels High-Tech-Industrie boomt, doch die arabische Minderheit bleibt noch oft außen vor. Im IT-Bereich sind nur 1,3 Prozent der Fachkräfte Araber. Ein neues Förderprogramm soll das nun ändern.

Rischon LezionMamduch Agbara hat einen Traum. „Meine Hoffnung ist, dass arabische IT-Fachleute in Israel in Zukunft in angemessenen Jobs arbeiten können“, sagt der 31-Jährige aus der arabischen Stadt Umm al-Fahm im Norden des Landes. „In Anstellungen, die ihren Fähigkeiten entsprechen.“ Agbara ist zuständig für eine Reihe von Fachkursen, die eine Integration von mehr Arabern in Israels boomende High-Tech-Branche erleichtern sollen. Sie sind Teil eines Förderprogramms, das mit 10 Millionen Schekel (2,3 Millionen Euro) von Israels Wirtschaftsministerium finanziert wird.

In Israels IT-Branche herrsche ein starker Mangel an Fachkräften, erklärt Michal Zuk, die als Vize-Direktorin im Wirtschaftsministerium für den Bereich zuständig ist. „Im arabischen Sektor sehen wir ein großes Potenzial“, sagt sie. Eine größere Integration der israelischen Araber könne als „Motor für wirtschaftliches Wachstum dienen und zu einer Verkleinerung der sozialen Kluft beitragen“, sagt Zuk. „Wir müssen einen Durchbruch erzielen.“

Araber machen 20 Prozent der 8,5 Millionen Staatsbürger in Israel aus. Im IT-Bereich stellen sie aber nur 1,3 Prozent der Fachkräfte. Laut einer neuen Umfrage des Pew-Forschungszentrums glauben acht von zehn arabischen Israelis (79 Prozent), dass Muslime in der israelischen Gesellschaft stark diskriminiert werden.

Die Förderkurse sollen jungen arabischen IT-Fachkräften dabei helfen, Hürden der israelischen Gesellschaft zu überwinden. Sie werden jeweils ein halbes Jahr lang acht Stunden in der Woche geschult. Sie lernen dabei notwendiges Fachwissen wie Programmiersprachen, aber auch das richtige Verhalten bei Jobinterviews.

Ein Jahr nach Beginn des Projekts sind erste Erfolge zu verzeichnen: Rund 250 Kandidaten konnten bereits an führende Unternehmen wie Amdocs, Check Point, Intel, IBM und HP vermittelt werden.

Gerade in Israels IT-Bereich funktioniere Anstellung oft nach dem Networking-Prinzip „ein Freund bringt einen Freund“, erklärt Zuk. Man wolle nun mehr arabischen Fachkräften aktiv dabei helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Erfolgreiche Kandidaten sollen dann wiederum als Mentoren dienen und neue Netzwerke aufbauen, um weitere arabische Fachkräfte in die Branche zu bringen.

Si Avivi von ITworks, die mit für die Kurse zuständig ist, sieht auch kulturelle Probleme bei der Jobsuche. Arabische Kandidaten würden aus israelischer Sicht „häufig nicht ehrgeizig genug erscheinen, weil sie sehr bescheiden auftreten“, erklärt Avivi. „Wir bringen den Kursteilnehmern israelische Chuzpe (Forschheit oder Frechheit) bei“, sagt Avivi lachend.

Die gemeinnützigen Organisationen ITworks und Tsofen haben eine Ausschreibung des Wirtschaftsministeriums für die Ausrichtung der Integrationskurse gewonnen. Ihr Auftrag ist es, arabischen Absolventen von Studiengängen wie Informatik, Ingenieurwissenschaften und Elektrotechnik Jobs im Hi-Tech-Bereich zu verschaffen.

Viele Kursabsolventen hätten Jobs in führenden Unternehmen wie Google oder Cisco bekommen, einige seien inzwischen sogar Projektleiter, sagt Avivi mit sichtbarem Stolz. „Wir sind die Brücke zwischen den Arbeitgebern und den Kandidaten“, erklärt sie das System. „Wir glauben, dass eine vielfältige Gesellschaft eine bessere Gesellschaft ist.“

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