Klimawandel in Megacitys
Wenn das Wasser steigt

Mit milliardenschweren Investitionen bereiten sich Megacitys auf den Klimawandel und die Folgen vor. Doch die Projekte sind bei der lokalen Bevölkerung umstritten – und für beteiligte Firmen ein Reputationsrisiko.
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ManilaEine Viertelstunde starker Regen reicht aus, um das philippinische Dorf Malaban am Rand der Metropolregion Manila unter Wasser zu setzen. Der Fischer Jasse Carlos stapft in Gummistiefeln durch die überfluteten Gassen. Mit Hochwasser hat der Ort an der Küste von Südostasiens drittgrößtem Binnensee Laguna de Bay regelmäßig zu kämpfen. Dennoch wehrt sich Carlos gegen ein Infrastrukturprojekt, das seine Heimat eigentlich vor den Wassermassen schützen soll: „Wenn der Deich kommt, verliere nicht nur ich meinen Job“, sagt der 57-Jährige. „Es wäre für den ganzen Ort eine wirtschaftliche Katastrophe.“

Der Deich, vor dem sich Carlos fürchtet, ist eines von vielen Großprojekten, mit denen sich die Megacitys Südostasiens vor Überflutungen durch Unwetter und einen steigenden Meeresspiegel schützen möchten. Allein in der philippinischen Hauptstadt will die Regierung in den kommenden Jahren mehr als sieben Milliarden Dollar ausgeben, damit die 13 Millionen Einwohner der Region gegen die Folgen des Klimawandels gewappnet sind. Das bietet auch deutschen Technologieanbietern neue Absatzchancen. Doch die milliardenschweren Projekte sind bei der lokalen Bevölkerung oft umstritten. Für ausländische Investoren bringt das Risiken mit sich.

Um zu zeigen, weshalb er die Pläne zum Deichbau so vehement ablehnt, marschiert Carlos auf einen Hügel, von dem das Seeufer gut zu sehen ist. „Seit ich die Grundschule abgeschlossen habe, fahre ich da raus, um zu fischen“, sagt er. 20 Pesos pro Kilo, umgerechnet rund 40 Cent, verdient er damit. „Die Fische im See sind in den vergangenen Jahren zwar immer weniger geworden“, sagt Carlos. „Aber als Einnahmequelle sind sie für uns immer noch unverzichtbar.“ Carlos ist Dorfvorsteher in Malaban, „Chief“ steht in großen Buchstaben auf seinem Hemd. Er vertritt Dutzende Männer in dem Dorf, die das Bauprojekt bekämpfen: „Wenn der Deich kommt, wird es hier keinen einzigen Fisch mehr geben.“

Geht es nach den philippinischen Behörden, soll das 47 Kilometer lange Bauwerk 500 Meter vom Ufer entfernt entstehen und so die umliegenden Gebiete vor Wassermassen abschirmen. Auf der Deichkrone ist eine Mautstraße geplant. Die Bewohner von Malaban klagen: Wie sich das auf ihr Leben auswirken würde, interessiere die Behörden nicht. Den Einwohnern geht es nicht nur um den Fischfang, sondern auch um ihr Zuhause. Rund 2500 Familien müssten für das Vorhaben umgesiedelt werden, um Platz für Zufahrtsstraßen und Pumpstationen zu machen.

Aus Sicht von Almuth Schauber vom Hilfswerk Misereor ist der Fall beispielhaft für ein Problem, das in vielen Schwellenländern zunehmend zutage tritt: Um sich auf den Klimawandel vorzubereiten, sind Großinvestitionen in Umwelttechnik und gigantische Infrastrukturprojekte nötig. „Dabei entstehen jedoch soziale Probleme, die vor allem die Ärmsten treffen“, sagt Schauber, die beim katholischen Hilfswerk Misereor den Fachbereich für städtische Armut leitet.

Sie sieht die Wirtschaft in der Verantwortung, etwas gegen die Schattenseiten zu unternehmen. „Ich unterstelle, dass kein deutscher Mittelständler an Projekten beteiligt sein möchte, die Menschen ihre Lebensgrundlage nehmen“, sagt Schauber. „Aber vielen Firmen ist gar nicht bewusst, wie sehr sie in Sozialsysteme eingreifen.“

Kommentare zu " Klimawandel in Megacitys: Wenn das Wasser steigt"

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  • "Enrico Caruso22.11.2016, 17:51 Uhr
    Ich melde mich auch ab, ich halte das nicht aus, die vielen Trolle hier..."

    Welch ein Verlust.......woohuahahuwahahahaha........

  • Ralph S. sie haben es gut, meine Verlobte ist auf der Flucht vor dem Troll in die Muckibude und wurde dort die Herzdame von einem Türken.

  • Ich melde mich auch ab, ich halte das nicht aus, die vielen Trolle hier...

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