Südamerika
Der ausgebremste Kontinent

Südamerika erlebt eine politische und wirtschaftliche Krise. Es wäre jedoch ein Fehler, den Kontinent abzuschreiben. Es gibt weiterhin Regionen, die Investoren anziehen. Auch für deutsche Konzerne ergeben sich Chancen.

São PauloDie Begeisterung in Peru war riesig, als der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank ankündigten, dass sie ihr Jahrestreffen 2015 in der peruanischen Hauptstadt Lima abhalten werden. Denn es ist schon fast 50 Jahre her, dass das letzte Treffen der beiden Institutionen in Südamerika stattfand. IWF und Weltbank würdigten mit der Wahl ihres Austragungsorts Peru als einen der weltweiten Wachstumssieger der vergangenen 15 Jahre. Allgemein hatte Südamerika die Weltwirtschaftskrise 2009 erstaunlich unbeschadet überwunden.

Doch bei dem Treffen, das am Freitag begann, wird von der Euphorie wenig übrig sein: Ganz Südamerika erlebt eine wirtschaftliche und politische Krise – nicht nur linkspopulistisch regierte Länder wie Argentinien und Venezuela. Sie leiden schon länger unter dirigistischen Regierungen und Stagflation. Doch inzwischen folgt ihnen auch Brasilien: Die Wirtschaft des Amazonaslandes wird dieses Jahr um fast drei Prozent schrumpfen. Das belastet die ganze Region, denn Brasilien steht für fast die Hälfte der Wirtschaftskraft des Kontinents und ist ein wichtiger Markt für die Nachbarländer.

Das spüren auch die sonst stabilen Andenländer Chile, Peru und Kolumbien: Zwar wachsen sie dieses Jahr laut IWF jeweils um bis zu 2,5 Prozent – nur noch knapp die Hälfte gegenüber 2013. Die Aussichten auf eine baldige Besserung sind gering: „Die Konjunktur in Südamerika wird sich noch stärker abschwächen und auch für 2016 ist eine Erholung nicht garantiert“, sagt Alejandro Werner, beim IWF zuständig für Lateinamerika und die USA. Die Investmentbank Morgan Stanley rechnet gar damit, dass Lateinamerikas Wirtschaft dieses Jahr stagniert und 2016 nur um 0,3 Prozent wachsen wird.

Die Gründe sind schnell aufgezählt: Für die rohstoffreichen Exportländer ist vor allem China ein wichtiger Markt für ihre Produkte – doch dort schwächelt die Konjunktur. Deshalb exportiert Lateinamerika weniger Kupfer, Öl und Soja nach Fernost – und zu deutlich niedrigeren Preisen. Die Regierungen können ihre Budgets nicht mehr mit sprudelnden Exportdollars ausgleichen. Ihre Haushaltsdefizite verdoppelten sich auf 5,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Mit Direktinvestitionen ausländischer Konzerne sowie Krediten aus dem Ausland finanzieren sie bisher ihre Defizite.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%