Vorsitzender der Afrika-Initiative im Interview
Warum deutsche Unternehmen sich in Afrika engagieren sollten

Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften liegen in Afrika – Grund genug, dort zu investieren, findet Heinz-Walter Große. Im Interview erklärt der SAFRI-Vorsitzende, warum dafür kein Mut nötig ist.

Heinz-Walter Große ist davon überzeugt, dass die deutsche Wirtschaft sich stärker in Afrika engagieren sollte. Große, im Hauptberuf Chef des Medizintechnikkonzerns B. Braun, ist Vorsitzender der Subsahara-Afrika Initiative der Deutschen Wirtschaft (SAFRI), die am Montag und Dienstag zum „German-African Business Summit“ nach Berlin einlädt. Der SAFRI-Vorsitzende hat ein schlagendes Argument, das für ein Engagement in Afrika spricht, auf seiner Seite: Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent. Im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ erklärt Große, wie die Deutschen die Chancen in Afrika nutzen können.

Verschläft die deutsche Wirtschaft ihre Chancen in Afrika?
Sechs der zehn am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften befinden sich auf dem afrikanischen Kontinent. Das Wirtschaftswachstum liegt im Durchschnitt bei 5 Prozent. Die Bevölkerung ist jung und dynamisch und wird sich bis 2050 auf zwei Milliarden verdoppeln. Tatsächlich aber gehen nur zwei Prozent des Gesamtvolumens deutscher Exporte dorthin. Das gilt in dieser Relation in etwa auch für B. Braun, das Unternehmen, für das ich arbeite. 100 Millionen Euro unseres Umsatzes von sechs Milliarden Euro erzielen wir in dieser Region der Welt. Und dabei ist dieser Umsatz auch noch sehr ungleichmäßig verteilt. Er wird zum überwiegenden Teil in Südafrika gemacht. Das ist bei den meisten deutschen Unternehmen ähnlich.

Was muss sich ändern?
Negativmeldungen über einzelne Regionen beeinflussen oft das Bild des gesamten Kontinents. Afrika ist groß. Allein Subsahara-Afrika besteht aus 49 Ländern, mit individuellen Potenzialen und Rahmenbedingungen. Erfolgsmeldungen müssen gegenüber der Öffentlichkeit und innerhalb der Wirtschaft besser verbreitet und kommuniziert werden. Die Potenziale und Chancen, die der Kontinent bietet, werden auch im Mittelpunkt des 1. German-African Business Summit der SAFRI stehen. Wir dürfen Afrika nicht nur als Absatzmarkt begreifen. Es muss darum gehen, Arbeitsplätze zu schaffen und auch vor Ort zu produzieren, und zwar für den afrikanischen Bedarf und im Idealfall auch für den Export in andere Weltregionen. Wir müssen da als Unternehmen offener für neue Chancen sein.

Wie soll das gehen?
Viele Länder in Afrika haben bereits begonnen, sich um Diversifizierung ihrer Wirtschaft zu bemühen, um mehr Wertschöpfung im Land zu erzielen und Arbeitsplätze zu schaffen. Diese Entwicklung unterstützen deutsche Unternehmen mit ihrer Expertise: So liefern sie beispielsweise Maschinen für die Produktion, sind am Ausbau der Energieinfrastruktur beteiligt, bilden an ihren Standorten im Ausland Fachkräfte aus und so weiter. Ein guter Ansatz liegt in der Ausbildung. Wir müssen unsere Mitarbeiter vor Ort in Afrika so schulen, wie wir es in Deutschland auch tun. Wir müssen sie zu Facharbeitern machen und ihnen auch eine universitäre Ausbildung anbieten. Das ist die Basis für die Fortentwicklung afrikanischer Volkswirtschaften. Von solchen Kooperationen profitieren beide Seiten. Und genau solche nachhaltigen Win-Win-Situationen wollen wir als SAFRI fördern.

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Warum deutsche Unternehmen sich in Afrika engagieren sollten

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„Afrika erfordert nicht mehr Mut als Asien“

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