Yuan in Frankfurt
Sparen mit Goethe-Bonds

Dem Vergleich mit London hält der Finanzplatz Frankfurt nicht stand. In einem Markt aber will man die Briten überflügeln: Frankfurt soll zum Zentrum für Geschäfte werden, die in chinesischem Yuan abgerechnet werden.
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FrankfurtEin entsprechendes Abkommen unterschrieben Hu Xiaolian, Vizechefin der chinesischen Zentralbank People’s Bank of China (PBoC), und Joachim Nagel, Vorstand der Bundesbank, Ende März in Berlin. Der Jubel damals war groß. Hessens Finanzminister Thomas Schäfer sprach von "einem Meilenstein für den Finanzplatz Frankfurt". Und die Umsetzung des Plans hat bereits begonnen.

Zwar schloss fast zur selben Zeit auch die Bank of England mit den Chinesen eine solche Vereinbarung. Doch in Frankfurt sieht man sich im Vorteil: Der Finanzplatz soll vom starken Warenaustausch zwischen Deutschland und China profitieren. 2013 betrug das Handelsvolumen zwischen den beiden Staaten 141 Milliarden Euro. Deutschland handelt also in etwa im gleichen Umfang mit China wie Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen. Ein erstes Yuan-Produkt gibt es in Frankfurt auch schon: den Goethe-Bond. Der große deutsche Dichter Johann Wolfgang von Goethe ist auch in China berühmt - dort wird er "Ge-De" genannt. Ende April begab die staatliche KfW eine Yuan-Anleihe in Höhe von umgerechnet 120 Millionen Euro. Anfang Mai platzierte dann die Agricultural Bank of China in Frankfurt eine Anleihe über 130 Millionen Euro.

Die ersten Anleihen dieses Typs gelten mehr als Eisbrecher. Ein Schritt, um mehr Schwung in diesen Markt zu bringen, steht noch bevor: Die PBoC muss bestimmen, welches Geldhaus die neue Abwicklungsstelle wird. Die besten Aussichten wurden zuletzt der Bank of China eingeräumt. Sie ist die drittgrößte Geschäftsbank des Landes und übernimmt die Abwicklung entsprechender Yuan-Währungsgeschäfte bereits in Hongkong und Taipeh. Im Gespräch ist auch die Industrial and Commercial Bank of China.

Gedacht sind Goethe-Bonds vor allem für deutsche Unternehmen. Sie könnten sich so mit Yuan, etwa für Investitionen in China, eindecken. Doch nicht nur das soll leichter von Frankfurt aus funktionieren. „Überweisungen für Handelsgeschäfte nach China und für Investitionen sollten einfacher werden“, sagt Robert Koller, Partner der Anwaltskanzlei Simmons Simmons. „Es wird auch günstiger für die Unternehmen, sich gegen Währungsrisiken abzusichern, weil hier in Frankfurt die Liquidität in Yuan steigt.“

Bisher laufen solche Yuan-Geschäfte meist über Hongkong. Häufig findet der Warenverkehr heute zudem in Dollar statt. „Wenn deutsche Unternehmen in Yuan abrechnen, stärkt das ihre Markt- und Verhandlungsposition in China. Sie können mit Abnehmern und Lieferanten zum Beispiel besser über Preise verhandeln“, sagt Frank-Oliver Wolf, Geschäftsbereichsleiter Cash-Management International Business der Commerzbank.

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