Walzenhersteller
Aus dem Forschungslabor direkt ins Chefbüro

Karsten Röttger ist Vorstandsvorsitzender einer Aktiengesellschaft: Im Jahre 2002 kaufte sich der promovierte Ingenieur bei dem Walzenhersteller Ecoroll ein, ohne je eine Universität verlassen zu haben. Nun führt er ein 50 Mann Unternehmen. Spätestens im Jahre 2010 möchte Röttger jährlich 10 Mill. Euro umsetzen.

KÖLN. Im August 2002 sprang Karsten Röttger ins kalte Wasser. Mehr als zwölf Jahre lang hatte der Rheinländer das ruhige Leben eines Forschers geführt: Er hatte an der renommierten RWTH Aachen Maschinenbau studiert, seine Diplomarbeit in den USA geschrieben und anschließend an der RWTH promoviert. Nichts deutete daraufhin, dass Röttger eines Tages zum Vorstandsvorsitzenden einer Aktiengesellschaft aufsteigen könnte. Und wahrscheinlich würde Röttger heute noch immer in einem Aachener Labor sitzen und forschen – wenn er nicht zufällig Alfred Ostertag begegnet wäre.

Ostertag war seit 1997 Chef der Ecoroll AG in Celle. Der Mittelständler hat sich auf die Herstellung von Werkzeugen zur Oberflächenbehandlung spezialisiert, genauer gesagt auf zwei ganz besondere Verfahren: Das Fest- und das Glattwalzen. Die Automobilindustrie bearbeitet mit Hilfe von Festwalz-Werkzeugen Kurbelwellen für Autos, Flugzeuge verdanken dem Festwalzen die Materialfestigkeit, auch die Formen für Kunststoff-Flaschen werden mit Werkzeugen von Ecoroll glatt gewalzt. Dadurch können die Kunden, die hauptsächlich aus dem Maschinenbau, der Elektronik und dem Automobilbau stammen, Material einsparen. Bauteile lassen sich mit Hilfe der Ecoroll-Maschinen schlanker gestalten. Außerdem erhöht die Spezialbehandlung die Sicherheit und Lebensdauer von Maschinenbauteilen.

Die Ursprünge von Ecoroll gehen zurück auf die Firma Hegenscheidt, die bereits 1969 gegründet wurde. 1994 wurde das Unternehmen verkauft, aber die Werkzeugfabrik in Celle blieb in den Händen von Axel Schondorff, einem Spross der Hegenscheidt-Familie. 1996 wurde das Unternehmen in die Ecoroll AG umgewandelt. Doch Axel Schondorff stand Anfang des neuen Jahrtausends vor einem Problem: Seine Kinder wollten das Familienunternehmen nicht übernehmen. Und die Fusion mit einem Wettbewerber misslang.

Also entschied sich der damalige Vorstandsvorsitzende Alfred Ostertag, damals schon 63 Jahre alt, die Firma zu übernehmen. Doch das wollte er nicht alleine, und da erinnerte er sich an Karsten Röttger. Den Forscher hatte er an der RWTH Aachen kennen gelernt, da Ecoroll regelmäßig Projekte mit der Technischen Universität entwickelte. Also fragte er Röttger, ob er sich vorstellen könne, die Firma mit zu übernehmen.

„Es hat mich schon immer gereizt, zu einem Mittelständler zu gehen“, sagt Röttger heute. Außerdem habe er zu Ostertag großes Vertrauen gehabt – zumal der Mitkäufer sich verpflichtete, noch zwei Jahre lang gemeinsam mit Röttger die Geschicke der Firma zu lenken. Also sagte Röttger zu – und kaufte sich in das Unternehmen ein, als er noch mitten in der Promotion steckte.

55 Prozent der Anteile übernahm die „Hannover Finanz“, eine Beteiligungsgesellschaft mit mittelständischer Ausrichtung, die sich unter anderem schon in den 80er Jahren an der Drogeriemarkt-Kette Rossmann beteiligt hatte. Der Rest der Anteile sollte an Vorstand und Aufsichtsrat gehen – mithin auch den damaligen Doktoranden Karsten Röttger. „Vor allem die Finanzierung musste erst einmal geklärt werden“, sagt Röttger. Will heißen: Er musste sich gewaltig verschulden, um das Geld für die Unternehmensanteile zu beschaffen. Wie viel Geld er sich dafür genau geliehen hat, behält er lieber für sich.

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