Weibliche Führungskräfte im Mittelstand
Frauen erobern die Chefetagen

Der Mittelstand bietet weiblichen Führungskräften größere Chancen als die meisten Großunternehmen.

HB FRANKFURT. Eigentlich wollte Ingrid Hofmann in Südafrika Orchideen züchten. Stattdessen aber gründete sie im Alter von 31 Jahren in Nürnberg eines der größten deutschen Zeitarbeitunternehmen – Hofmann Personal Leasing. „Ich wollte etwas bewegen“, erzählt die Oberfränkin. „Mein persönliches Leitbild war es, so viele Menschen wie möglich in Brot und Arbeit zu bringen. Zeitarbeit war für mich ideal, da ich Personalleiterin, Einkäuferin, Verkäuferin, Werbemanagerin, Betreuerin und Psychologin in einer Person sein musste. Das ist eine wirkliche Herausforderung.“

Erfolgreiche Frauen, die den Chefsessel erobert haben, gibt es vor allem im Mittelstand. Bezieht man allerdings alle Unternehmen ein, so stagniert der Anteil der Frauen in Führungsetagen seit Jahren. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Kienbaum liegt er bei etwa zehn Prozent. Dagegen wird von den rund 3,4 Millionen mittelständischen Unternehmen laut Bundesfamilienministerium immerhin schon fast jedes Dritte von Frauen geführt.

Doch die Aufholjagd ist noch nicht zu Ende. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung fand heraus, dass besonders Mütter nach wie vor in ihrer Karriere benachteiligt sind. Erfolgreiche Unternehmerinnen sind seltener verheiratet und häufiger kinderlos als Männer. Überdies verdienen westdeutsche Frauen in Top-Positionen rund zwölf Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen, so eine Untersuchung des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Daher setzt sich Ingrid Hofmann im Unternehmen besonders für Chancengleichheit ein: „Nach wie vor stehen die meisten Frauen vor der Frage: Familie oder Beruf? Ich wollte ihnen in meiner Firma mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen die Möglichkeit zu beidem geben.“

Auch außerhalb der Firma setzt sich die Unternehmerin für die Frauen ein. Nachdem sie im Jahr 2004 als einzige Frau ins Präsidium der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) berufen wurde, engagierte sie sich dort unter anderem für die Themen Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf: „Ich wünsche mir, dass immer mehr Unternehmen einsehen, dass es für sie auf Dauer lebensnotwendig ist, eine faire Mischung aus Frauen und Männern, jüngeren und älteren Mitarbeitern zu beschäftigen.“

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