Wirtschaftsprüfer und IT-Experten mahnen zur Eile
Mittelstand verschläft neue Bilanzregeln

Die kleinen Firmen in Deutschland drohen die Umstellung auf die Bilanzvorschriften IFRS zu verschlafen. „Viele der kleineren Unternehmen wollten aus Unsicherheit abwarten. Nun hinken sie hinterher und könnten den Anschluss verpassen“, mahnte Manfred Hannich, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, gestern in Frankfurt.

jkn/eva FRANKFURT/M. Nach einer aktuellen KPMG-Umfrage unter den 567 im CDAX gelisteten Unternehmen hat jedes dritte mit einem Börsenwert von weniger als 200 Mill. Euro noch nicht mit der Umstellung begonnen. Hannich: „Dabei wollen diese Firmen bereits 2005 einen Abschluss nach den neuen Regeln vorlegen.“ Und 41 Prozent der Firmen, die bereits umgestellt haben, geben an, ihre Informationstechnologie nicht verändert zu haben. „Dabei sind die Vorteile von IFRS – die höhere Transparenz und die Vereinheitlichung des Berichtswesen – kaum ohne IT-Umstellung zu heben“, sagt Hannich.

Viele der alten IT-Systeme seien ohne Änderungen nicht in der Lage, die Daten nach IFRS-Anforderung aufzubereiten, bestätigt Bernd R. Krieger, Vorstand des Software-Spezialisten Entire Software. Besonders schlimm sieht es bei den nicht börsennotierten Firmen aus. „Wir schätzen, dass 90 Prozent der nicht notierten Firmen noch keinerlei Anstrengungen in Richtung IFRS unternommen haben.“

Zwar unterliegen die privaten Unternehmen nicht dem akuten Umstellungszwang. Doch auch sie werden die Folgen von IFRS zu spüren bekommen. „Spätestens wenn der nächste Kredit benötigt wird, könnten viele Firmen eine böse Überraschung erleben. Die Banken werden nämlich mit IFRS vergleichbare Bilanzen verlangen“, warnt Krieger.

Die Schwierigkeiten der Mittelständler hat auch das Internationale Standardisierungsboard (IASB) in London erkannt. Das Gremium, das für die Ausarbeitung und Umsetzung der internationalen Rechnungslegungsstandards zuständig ist, hat bekräftigt, Anfang 2005 einen Entwurf mit abgespeckten Regeln für kleine Unternehmen vorlegen zu wollen. Hans-Georg Bruns, das deutsche Mitglied des IASB empfiehlt nicht börsennotierten Unternehmen in puncto IAS-Einführung daher abzuwarten, bis die IAS für die kleineren Unternehmen vom Gesetzgeber für gültig erklärt werden.

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