Wolfgang Grupp
Der berühmteste Mittelständler Deutschlands

Er ist der Mann mit dem Affen. Das klingt nicht sehr nett, aber der Affe hat Wolfgang Grupp zum vermutlich bekanntesten Mittelständler Deutschlands gemacht. Der Trigema-Boss stellt sich selbst als Verfechter der Produktion in Deutschland dar und ächtet den Gang ins Ausland. Grupp polarisiert, ist streitbar. Nun ist eine äußerst gelungene Biografie über ihn erschienen.
  • 10

DÜSSELDORF. Montagabend, drei vor acht, gleich kommt die Tagesschau. Kaum ein Werbeplatz ist teurer. Und es gibt nur wenige Spots im deutschen Fernsehen, die langweiliger sind. Irgendwo zwischen "Weniger-Müssen-Müssen" und der Apothekenumschau darf ein Mann nicht fehlen: Wolfgang Grupp: "Wir werden auch in Zukunft nur in Deutschland produzieren und unsere zwölfhundert Arbeitsplätze sichern."

Der Wiedererkennungswert ist hoch, das liegt aber nicht an Wolfgang Grupp, sondern an seinem Begleiter: Grupp ist der Mann mit Affe. Ein Bekannter aus der Werbebranche erzählte Grupp von einem Spot, wo ein Schimpanse zum Werbestar vor dem Mikro wurde. Den hatte Toyota in Auftrag gegeben, ließ dann aber lieber doch drei Buschmänner "Nicht ist unmöööööglich" trällern. So kaufte Grupp die Nutzungsrechte. Das war 1990.

Zunächst erschien der Spot mit dem Affen vor der Sportschau, schließlich war Trigema damals noch wichtiger Trikotsponsor. Das passte ins Umfeld. Doch Grupp wollte mehr als nur die Fußballer als Kunden und kaufte Werbeplätze vor der Tagesschau. 1994 entschied er sich, dem Affen nicht mehr allein das Feld zu überlassen, sondern auch selbst in dem Spot aufzutreten.

Zwei Jahre später ging der Spot auf Sendung, den man abgesehen von wenigen Modifikationen noch heute kennt. 20 Sekunden, bis zu viermal monatlich "Hallo Faaaaans...". Rund zwei Millionen Euro kostet das Trigema im Jahr. Werbefachleute bekommen heute noch Schnappatmung, wenn sie die Erfolgsquote des altertümlichen Spots bemerken müssen: Gefühlt glauben TV-Zuschauer, den Werbefilm jeden Tag zu sehen. Und der sendet seit über 15 Jahre dieselbe Botschaft: Kauft bei Trigema, denn wir produzieren in Deutschland.

Grupp ächtet die, die es anders machen und im Ausland produzieren. Sein bedenkenswerter Standpunkt: Keiner sei dadurch reicher geworden. Genüsslich nennt Grupp die Beispiele Steilmann, Schiesser, Jockey oder Escada. Gleichwohl ist Grupp voll des Lobes für die Firmen, denen es gelingt, im Ausland zu wachsen, solange sie bei der Produktion und Entwicklung in Deutschland nicht streichen. Man muss ihm genau zuhören, um die feinen Unterschiede mitzubekommen.

Erik Lindner hat ihm in vielen langen Gesprächen sehr genau zugehört. Der Historiker hat sich vor allem mit großartigen Biographien über Verleger und Bankiers einen Namen gemacht. Nun hat er eine äußerst gelungene Biografie über Wolfgang Grupp geschrieben. Gelungen ist sie auch deshalb, weil sie dem Unternehmer an vielen Stellen auch kritisch gegenübersteht.

Seite 1:

Der berühmteste Mittelständler Deutschlands

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Wolfgang Grupp: Der berühmteste Mittelständler Deutschlands"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo Katharina
    danke!

    @andy
    bring erst mal belege für deinen blödsinn.
    1200 Arbeitsplätze in Produktion und Verwaltung.
    Wo bleiben deine "95%"???.
    Ebenso ist gerade eine ethische Produktion im Textilbereich vor allem in D möglich. China Vietnam etc legen nicht im geringsten Wert auf irgendwelche sozialen Standards oder Umweltschutz.
    Wer sich solche Klamotten kauft macht sich mitschuldig
    an Umweltzerstörung, Kinderarbeit, Missbrauch von Arbeiterinnen und Arbeitern.
    Warum ist Herr Grupp der letzte Sportartikelhersteller der noch alles in Deutschland produziert?
    Weil die Konsumenten nicht aufpassen was sie sich kaufen und was jedes einzelne Produkt bedeutet.
    jeder direkte Arbeitsplatz zieht 1 bis 2 andere Arbeitsplätze nach sich!
    Das sind für Herrn Grupp locker 2400 Arbeitsplätze in Deutschland.
    Herrn Grupp gehört das bundesverdienstkreuz, da er Familien Lohn und eine Existenzgrundlage gibt.
    Sozies und Grüne weigern sich das anzuerkennen.

  • Jeder sollte sich ein Gemälde, wie das von Herr Grupp, malen lassen können. Auch wenn man kein Unternehmer ist.

  • Warum ist Herr Grupp eigendlich kein bundeskanzler oder gar bundespräsiedent nach Köhler gewurden ? Meine Stimme hätte er für beide Ämter. Weil ich der Meinung bin, unser Land braucht solche Vorbilder wie Herr Grupp !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%