Zwangsvollstreckung ohne Rechtsanwalt
Neues Gesetz gibt Gläubigern mehr Spielraum

Das neue Rechtsdienstleistungsgesetz erweitert die Handlungsmöglichkeiten von Inkasso-Unternehmen. Es gilt seit Juli und ist Ausdruck des Vertrauens des Gesetzgebers in die Arbeit von Inkasso-Anbietern. Nach altem Recht musste ein Inkasso-Unternehmen für das gerichtliche Mahnverfahren und die Zwangsvollstreckung einen Vertragsanwalt hinzuziehen. Diese Vorschrift entfällt künftig.

NEUSS. Das neue Rechtsdienstleistungsgesetz (RDG) erlaubt es den Anbietern, die komplette Titulierung und Zwangsvollstreckung ohne Einschaltung von Rechtsanwälten selbst zu betreiben. Voraussetzung ist, dass es sich um Forderungen handelt, die nicht ernsthaft bestritten werden. Durch das RDG sind Inkasso-Unternehmen jetzt in der Lage, ihren Kunden ein vollständiges und lückenloses Forderungsmanagement anzubieten. Dabei werden die Prozessschritte Mahnservice, Inkasso, gerichtliches Mahnverfahren, Vollstreckung und Überwachung in einer Hand konzentriert.

Gerade bei höheren Forderungssummen wird das RDG zu einer Kostenersparnis für den Gläubiger führen, da das Gesetz im gerichtlichen Mahnverfahren für Inkasso-Unternehmen unabhängig von der Forderungshöhe eine Pauschale von 25 Euro vorsieht. Die Inkasso-Bearbeitung durch einen Rechtsanwalt wird hingegen weiterhin über das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz abgerechnet, bei dem die Bearbeitungsgebühr mit der Forderungshöhe steigt. Die erweiterte Inkasso-Kompetenz wird auch zu einer Steigerung der Verfahrenseffizienz führen, da der Abstimmungs- und Zeitaufwand durch den Wegfall eines zwischengeschalteten Vertragsanwaltes sinkt.

Für Mittelständler wird der Einsatz eines Inkasso-Dienstleisters dadurch noch attraktiver. Sie können aus fast 700 in Deutschland aktiven Inkasso-Unternehmen wählen. Angesichts der Anbieter-Vielzahl kommt der Auswahl eines geeigneten Inkasso-Partners eine wichtige Rolle zu. Zur Optimierung des Forderungsmanagements lohnt der Einsatz eines Anbieters, der auch im Bereich Wirtschaftsauskünfte tätig ist. In diesem Fall kann die Bonität des Schuldners vor Beginn des Verfahrens überprüft werden, um die Erfolgsaussichten bestimmen zu können. Im Ergebnis sinkt die Höhe der Forderungsausfälle, die Buchhaltung wird entlastet und der Gläubiger kann sich mehr auf sein Kerngeschäft konzentrieren. Weitere Auswahlkriterien sind ein guter Ruf, die Zahl der Repräsentanzen, die Spezialisierung auf bestimmte Geschäftsfelder, die Ausbildung der Mitarbeiter, die verwendeten Informationsquellen und die Art und Weise, wie mit Schuldnern umgegangen wird.

Das Thema Forderungsverluste bleibt für viele kleine und mittlere Unternehmen von existenzieller Bedeutung. Nach der zuletzt zu beobachtenden Verbesserung des Zahlungsverhaltens ist mit einem erneuten Anstieg der Forderungsverluste im deutschen Mittelstand zu rechnen. Ursächlich dafür ist der inzwischen eingetretene Konjunkturabschwung. Hinzu kommen die seit Jahren besorgniserregenden Überschuldungsquoten bei Verbrauchern, die eine weitere Zunahme von Forderungsausfällen wahrscheinlich machen. Davon ist besonders der Mittelstand betroffen. Die Unternehmen sind gezwungen, entstehende Lücken mit eigenen Mitteln zu überbrücken.

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