Doch auch ganz unabhängig von einer aktuellen Verringerung der Ausfuhren, gibt es gute Gründe dafür, dass die brasilianischen Kaffee-Exporte künftig grundsätzlich niedriger ausfallen. Dafür sprechen zum einen der Klimawandel, der Zuckerboom, aber auch der steigende Kaffeekonsum im Land selbst.
Die Farmer im traditionellen Kaffeeanbaugebiet der Zona da Mata, nördlich von São Paulo, registrieren bereits steigende Temperaturen. Der Anbau des qualitativ hochwertigen Arabica-Kaffees ist dort nur noch in Höhen von über 500 Metern sicher. In tieferen Lagen stellen die Kaffeefarmer wegen zu hoher Temperaturen auf Eukalyptus oder Viehzucht um. Das Agro-Forschungsinstitut Embrapa konzentriert sich jetzt darauf, hitzeresistente Arabica-Sorten zu entwickeln. Das staatliche Institut schätzt, dass beim Ansteigen der Durchschnittstemperatur um nur ein Grad ein Viertel der Kaffeeplantagen eingehen würden. Eine Alternative wäre der Anbau der resistenteren Robusta-Sorten. Derzeit produziert Brasilien rund 30 Prozent Robusta- und 70 Prozent Arabica-Kaffee.
Zudem nimmt die Konkurrenz mit anderen Kulturen zu: Wegen des Zucker-Ethanol-Booms pflanzen immer mehr Farmer Zuckerrohr statt Kaffee an. Im Bundesstaat São Paulo hat sich die Kaffee-Anbaufläche dieses Jahr um 4,7 Prozent reduziert, die Produktion wird gar um 25 Prozent fallen, erwartet das Landwirtschaftssekretariat. „Alkohol nimmt immer mehr die Rolle ein, die früher Kaffee in der Landwirtschaft besaß“, sagt Luiz Hafers von der Landwirtschaftgesellschaft Sociedade Rural Brasileira (SRB) in São Paulo. „Wir erleben einen dramatischen Wandel.“
Auch der kontinuierlich steigende Eigenkonsum der Brasilianer könnte die Exportfähigkeit des Landes reduzieren. Wegen der steigenden Massenkaufkraft könnte der Konsum bis 2010 von heute 16 Mill. auf 20 Mill. Sack steigen.
