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28.03.2007 
Experten: Korruption ist messbar

Unter Generalverdacht

Diebstahl, Betrug, Korruption - für kein Unternehmen der Welt sind derartige Vorgänge ein Aushängeschild. Doch wie kann man verhindern, dass Fehlverhalten bis hinauf in die Führungsebene die Firma und dessen Ansehen nachhaltig schädigt? Ganz einfach, sagen Psychologen: Indem man Bewerber vor der Einstellung entsprechend testet.

Ein Integritätstest soll messen, ob ein Mitarbeiter beispielsweise Bestechungsgelder annehmen würde. Lupe

Ein Integritätstest soll messen, ob ein Mitarbeiter beispielsweise Bestechungsgelder annehmen würde.

HB FRANKFURT. „Es existiert eine grundlegende psychologische Dimension 'Integrität', die erfasst, inwiefern ein Mensch ein erhöhtes Risiko für schädigendes Verhalten aufweist“, erklärt Diplom-Psychologe Jens Hoffmann. Eine Person mit niedrigen Integritätswerten sei anfälliger für Problemverhalten, das von unerlaubten Fehlzeiten, Beschädigung von Firmeneigentum über Diebstahl bis hin zu Veruntreuung, Betrug und Korruption reiche.

Der Kriminalpsychologe Hoffmann ist einer der Gründer des Beratungsunternehmens „Team Psychologie & Sicherheit“, das zusammen mit der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der TU Darmstadt und der Universität Regensburg den Psychologischen Integritätstest PIT entwickelt hat. Innerhalb von 30 bis 45 Minuten sollen Stellenbewerber 161 Fragen beantworten, anhand derer man erkennen kann, ob sie das Potenzial zu betriebsschädigendem Verhalten haben.

Der Bewerber werde etwa gefragt, ob er sich für etwas Besonderes halte, ob er besondere Ansprüche habe, den Nervenkitzel liebe, oder glaube, dass Betrug in Unternehmen häufig vorkomme, erklärt Hoffmann. „Man hat festgestellt, dass Menschen, die nicht integer sind, glauben, dass viele Leute betrügen.“ Bei der Entwicklung des Fragebogens wurden auch Strategien berücksichtigt, die verhindern sollen, dass Bewerber sich anders darstellen, als sie eigentlich sind. So sei bei vielen Fragen nicht erkennbar, in welche Richtung die „richtige“ Antwort gehen müsse, sagt Hoffmann.

Charakter entscheidender als „günstige“ Gelegenheit

Grundlage für den Test ist eine groß angelegte Integritätsstudie. In dem 2002 gestarteten Projekt wurden mehrere hundert Mitarbeiter auf allen Hierarchieebenen aus unterschiedlichsten Unternehmen sowie Strafgefangene aus dem Bereich Eigentumsdelikte untersucht. In einer ersten Projektphase wurden Faktoren identifiziert, mit deren Hilfe die Diebstahlsneigung einer Person vorhergesagt werden kann. In der zweiten Untersuchung wurden die Mitarbeiter anonym befragt. So konnten insgesamt 14 Unterfaktoren von Integrität ermittelt werden, die in engem statistischem Zusammenhang zu schädigendem Verhalten am Arbeitsplatz stehen. Der PIT misst nicht mehr nur die Diebstahlsneigung, sondern alle Facetten schädigenden Verhaltens.

Lange habe man gedacht, dass eine „günstige“ Gelegenheit oder eine finanzielle Krise Mitarbeiter dazu verführten, sich betriebsschädigend zu verhalten, erklärt Hoffmann. Dies sei aber nicht so, von viel größerer Bedeutung seien Charakter und Persönlichkeit. Integere Mitarbeiter unterscheiden sich demnach in bestimmten Einstellungen und Persönlichkeitsmerkmalen von solchen, die zu betriebsschädigendem Verhalten neigen.

„Der PIT ist grundsätzlich für alle Arbeitsbereiche und Hierarchieebenen geeignet“, sagt Hoffmann. Man könne ihn sowohl bei Neueinstellungen im Dienstleistungsbereich als auch bei der Suche nach Führungskräften für ein Unternehmen einsetzen. Wie aussagekräftig der Test wirklich ist, dazu gibt es noch keine Belege, da er erst seit Ende 2006 im Einsatz ist, es läuft aber bereits eine Studie dazu. In den USA würden solche Tests schon lange eingesetzt und funktionieren, erklärt Hoffmann. Dort hätten wissenschaftliche Untersuchungen zudem gezeigt, dass Bewerber mit hohen Testergebnissen in einem Integritätstest beruflich erfolgreicher und leistungsbereiter seien als diejenigen mit niedrigen Integritätswerten.


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