0 Bewertungen
25.02.2007 
SPD lehnt Vorstoß ab

Glos will Arbeitspflicht für alle Hartz-IV-Empfänger

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos hat sich für eine Arbeitspflicht für alle Hartz-IV-Empfänger ausgesprochen und damit am Wochenende Protest beim Koalitionspartner SPD ausgelöst. Die FDP unterstützt den Vorschlag dagegen.

HB BERLIN. „Jeder Bezieher von Hartz IV soll künftig eine Gegenleistung erbringen“, sagte Glos (CSU) in einem „Spiegel“-Interview. Ziel des Modells aus dem Wirtschaftsministerium ist es, dass jeder seinen Lebensunterhalt mit einem regulären Job bestreiten kann. Wenn das Einkommen nicht reicht, soll es einen staatlichen Zuschuss geben. Diejenigen, die keinen Job finden, erhalten die Grundsicherung, die derzeit mit den Zuschüssen für Wohnen und Heizen bei etwa 630 Euro liegt. Dafür müssen sie aber eine Gegenleistung erbringen.

„Das kann nur in solchen Bereichen sein, in denen Arbeit heute in Deutschland nicht erledigt wird“, sagte Glos. Organisiert werden müsste das Programm auf kommunaler Ebene. „Es geht darum, die Leute zu aktivieren“, betonte der Wirtschaftsminister. Seine Hoffnung sei, dass niedrig bezahlte Tätigkeiten wieder attraktiver werden. „Die Leute werden sich sagen: Wenn ich auch für das Arbeitslosengeld II etwas tun muss, dann kann ich auch gleich einen Job annehmen, selbst wenn der nur ein bisschen besser bezahlt ist.“

300 000 öffentliche Jobs notwendig

Glos sagte, Studien zufolge wären 300 000 öffentliche Jobs notwendig, um dieses Modell zu realisieren. „Ich bin zuversichtlich, dass dann gleichzeitig wieder mehr reguläre Beschäftigung im Niedriglohnsektor geschaffen wird, gerade jetzt im Aufschwung.“

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion, Ludwig Stiegler, wies den Vorstoß aus dem Wirtschaftsministerium zurück. Er diene weder den Menschen noch der Problemlösung. „Die Konservativen wollen die Menschen drangsalieren“, sagte Stiegler. „Wir wollen ihnen Chancen geben, die sie gerne ergreifen.“

FDP fordert Gipfeltreffen mit Kommunalverbänden

Zustimmung kam dagegen von den Liberalen. „Der Grundgedanke ist alt und richtig: Wer gesund und leistungsfähig ist, muss auch etwas für die Allgemeinheit tun“, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Rainer Brüderle laut „B.Z. am Sonntag“. Ankündigungen reichten aber nicht. „Jetzt müssen Taten folgen.“

Brüderle sprach sich für ein Gipfeltreffen mit den kommunalen Spitzenverbänden aus, damit auch die notwendigen Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. „Das darf nicht zur Konkurrenz für den ersten Arbeitsmarkt führen, sondern muss sich auf soziale Arbeiten beschränken, sonst würde nur beim Mittelstand dieselbe Zahl von Arbeitsplätzen verloren gehen.“

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Zwischen Minen und Stache...

    Zwischen Minen und Stacheldraht: Urlaub in Nordkorea

    Bade- und Wanderurlaub in Nordkorea? Gibt es nicht? Doch. Der südkoreanische Hyundai-Konzern macht es möglich: In einer kapitalistischen Enklave im bitterarmen Norden können Ausländer Golfspielen und in Luxushotels unterkommen. Doch nicht immer läuft beim Ausflug ins "...Bildergalerie 

  • Obama auf Schloss Neuschw...

    Obama auf Schloss Neuschwanstein

    Die Republik steht Kopf, seit US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama angekündigt hat, einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen. Doch prompt hat sich sein außenpolitisch unerfahrenes Team mit den Plänen für einen öffentlichen Auftritt am Brandenburger Tor in die Nessel...Bildergalerie 

  • G8: Viel Lärm um nichts

    G8: Viel Lärm um nichts

    Einmal im Jahr bietet die Weltpolitik eine ganz große Inszenierung - den Gipfel der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Geschätzte 356 Millionen Euro Steuergelder flossen diesmal in das Polit-Spektakel im japanischen Toyako. Vergleichsweise unspektakulär ...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

In der CSU geht die Angst um  Artikel in Merkliste

20.07.2008, 10:08 Uhr von Thomas Sigmund

Die Angst unter der professionellen Oberfläche der Siegeszuversicht ist in der CSU mit Händen zu greifen. Der fulminante Auftritt der Bundeskanzlerin hat deutlich gemacht, wo die eigentliche Schwäche der Partei liegt. Kommentar