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07.07.2007 
Stoiber in Moskau

Der teure Edi

von Mathias Brüggmann

In seinen letzten Amtstagen scheint Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber die Bodenhaftung zu verlieren. Der bisher bodenständige Politiker nimmt es nun mit dem Geld der bayerischen Steuerzahler nicht mehr so genau.

 Edmund Stoiber und seine Frau Karin auf dem Roten Platz in Moskau. Foto: dpaLupe

Edmund Stoiber und seine Frau Karin auf dem Roten Platz in Moskau. Foto: dpa

MOSKAU. Sag zum Abschluss ganz laut Servus: Die Tage von Edmund Stoiber als bayerischer Ministerpräsident sind gezählt, aber ganz zum Schluss lässt er es noch einmal richtig krachen. Bei einer seiner letzten Auslandsreisen, dieser Tage in Russland, hat er sogar Brioni-Kanzler Gerhard Schröder übertrumpft: Stoiber mitsamt Ehefrau Karin, der Wirtschaftsminister und designierte CSU-Chef Erwin Huber, Landesgruppenchef Peter Ramsauer und die Entourage des Landesvaters stiegen dabei in Moskau im gerade eröffneten Hotel Ritz-Carlton ab.

Apropos Landesvater: Mit dem Geld der bayerischen Landeskinder nimmt es Stoiber dabei nicht ganz so genau. Denn seit der Eröffnung am vergangenen Wochenende ist das Ritz-Carlton an Moskaus Prachtboulevard Twerskaja nicht nur das neueste Fünf-Sterne-Hotel in Russlands Hauptstadt. Mit Zimmerpreisen von 1 000 Dollar an aufwärts ist die nur einen Katzensprung vom Kreml entfernte Luxus-Herberge auch Moskaus teuerstes Domizil.

Für Suiten des für 350 Mill. Dollar von kasachischen und türkischen Investoren errichteten Hotels müssen sogar 430 000 Rubel pro Nacht hingeblättert werden. Das sind umgerechnet 12 300 Euro - allerdings für einen atemberaubenden Blick vom Schlafzimmer und Salon auf den berühmten Roten Platz, einer Bibliothek, Musikzimmer mit Flügel, Speisesaal und einer Sauna im Bad. Selbstverständlich versteht sich der Preis ohne das Frühstück, das – mit Kaviar, Gänseleber und Trüffeln - 540 Euro extra kostet.

Dafür hat das neue erste Haus am Platze kasachische Eigentümer, aber einen deutschen Direktor: Oliver Eller hat zuletzt das Ritz-Carlton in Wolfsburg geleitet. Zwar bietet auch das Kempinski-Hotel gegenüber dem Roten Platz den spektakulären Blick über des Kreml goldene Kirchenkuppeln, die bunt strahlende Basilius-Kathedrale und das berühmte GUM-Kaufhaus; wenngleich von der anderen Seite der Moskwa. Als „deutsch, aber lange nicht mehr modernisiert“ wird indes das Baltschug-Kempinski, in dem von Helmut Kohl an die meisten deutschen Spitzenpolitiker und Top-Manager bei ihren Moskau-Visiten abgestiegen sind, verspottet. Nichts also für den gehenden Edi. Einmal doch musste er Brioni-Schröder übertrumpfen, wenn es bei der Wahl zum Bundeskanzler schon nicht reichte.

Mutig, mutig, sind Stoibers Hotel-Entscheidungen in Zeiten von Veröffentlichungs-Pflichten für Nebeneinkünfte von Bundestagsabgeordneten, Rotlichtreisen bei Volkswagen und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gegen führende Politiker in Köln wegen Vorwürfen des Spesenrittertums auf großer Fahrt. Oberbürgermeister Fritz Schramma wird vorgehalten, mit seiner zehn-köpfigen Delegation der Betreibergesellschaft der Kölner Philharmonie für eine Russland-Reise 72 000 Euro ausgegeben zu haben, davon allein 18 000 Euro Übernachtungskosten im Grand Hotel Europa in St.Petersburg.

Schramma verwehrt sich „nachdrücklich gegen den vorsätzlich in der Öffentlichkeit erzeugten Eindruck einer missbräuchlichen Teilnahme an einem Luxustrip“. Weiter lässt er verlauten: „Das von der Köln-Musik GmbH initiierte und organisierte Treffen mit Kulturverantwortlichen der Stadt St. Petersburg und Verantwortlichen der St. Petersburger Philharmonie diente ausschließlich der Förderung von konkreten bilateralen Projekten der beiden Städte und Musikhäuser.“ Und wie sagte der Stadtvater dem „Express“ gleich noch: Als Bürgermeister könne er ja nicht in einer Jugendherberge nächtigen. Und als Ministerpräsident kann Stoiber das doch erst recht nicht.

Der steht inmitten einer bayerischen Krachledernen-Kapelle und einer Sängerin aus dem heimatlichen Wolfratshausen mit Weißbier in der Hand und umringt von seinen Getreuen. Die Moskauer juckt es wenig: Zum Empfang zur Eröffnung der Bayern LB an der Moskwa schicken sie gerade einen Vize-Bürgermeister. Verpasst haben die Nichtgekommenen auch kaum etwas: Zwar zeigt Stoiber beim Herausgehen aus meinen Teller und sagt „sehr gut“. Aber wegen der allenfalls schlecht bayerisch imitierten Küche „Made in Moskau“ antworte ich schnell: "Stimmt nicht."

Gute Nacht, Herr Stoiber. Schlafen Sie wohl in ihrem Edelhotel.

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