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27.10.2006 
Vermutung im Ministerium

Totenschädel könnten von Russen stammen

Bei den im Jahr 2003 von deutschen Soldaten in Afghanistan geschändeten Leichenteilen handelt es sich möglicherweise um die sterblichen Überreste von russischen Soldaten. Das vermutet zumindest das Verteidigungsministerium nach einer Analyse der Fundstelle. Die mutmaßlichen Totenschänder stammen offenbar aus unterschiedlichen Bundeswehreinheiten in Nord- und Süddeutschland.

Lupe

HB BERLIN. „Nach unseren bisherigen Ermittlungen handelt es sich um einen Ort, der in der Nähe von Kabul ist, auch nicht weit entfernt von Camp Warehouse“, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Dort befänden sich auch russische Panzerwracks. Ein Zusammenhang zwischen Wracks und Skeletten könne nicht ausgeschlossen werden, sagte der Sprecher. Bislang handele es sich jedoch nur um eine Vermutung.

Der "Bild"-Zeitung liegen indes nach eigenen Angaben "dutzende neuer Bilder" vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zeigen. Das Blatt will einige der Fotos morgen veröffentlichen. Darauf soll unter anderem zu sehen sein, wie ein Soldat einem aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzten Skelett wie bei einer Hinrichtung eine Pistole an den Totenschädel halte. Auf einem anderen Foto wurde einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt. Ein weiteres Bild zeigt den aus Menschenknochen gebildeten Schriftzug "CSR-Team". Die Abkürzung steht für "campside reconnaissance" (Gelände-Aufklärung), die Patrouillen rund um das deutsche Camp.

Ein Soldat habe der Zeitung bestätigt, dass Bundeswehr-Patrouillen regelmäßig an der Fundstelle der Leichenteile vorbeigefahren seien und dort angehalten hätten. Zuvor hatte bereits ein Augenzeuge berichtet, es handele sich nicht um einen Friedhof. Das Gelände "kann man sich vorstellen wie eine große Kiesgrube", sagte der Mann.

In dem am Donnerstag bekannt gewordenen zweiten Fall der mutmaßlichen Totenschändung, der sich 2004 ereignet haben soll, wurden laut Ministerium drei Tatverdächtige ermittelt, einer davon werde bereits vernommen. Regierungssprecher Thomas Steg erklärte, es habe seitens der Bundesregierung keine Einflussnahme auf die Veröffentlichung der Fotos in der „Bild“-Zeitung gegeben. Die Zeitung habe die Bundesregierung am Vortag der Veröffentlichung informiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Einheiten aus Bayern und Schleswig-Holstein

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