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HANDELSBLATT, Montag, 11. Juni 2007, 13:08 Uhr
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Der Insolvenzantrag hat auch den Wettbewerb der Anwälte um Mandanten aus dem Kreis der GG-Geschädigten noch einmal verschärft. Ihre Tipps zur Rettung der Anlegergelder fallen unterschiedlich aus. Den Zeichnern der „Pensions-Sparplan“ und „Securente“ genannten Anlageprodukte rät Jan-Henning Ahrens, Anwalt in der Kanzlei KTAG Rechtsanwälte in Bremen, „sofort alle Zahlungen an die Göttinger Gruppe und die Securenta AG einzustellen“.

Kein guter Rat nach Ansicht von Angelika Jackwerth von der Göttinger Kanzlei Machusky & Jackwerth: „Zahlungsverpflichtungen bestehen in der Insolvenz weiter“, sagt sie. Wer allein die Zahlungen einstelle, riskiere für Schäden aus verspäteter Zahlung (Verzugsschaden) haftbar gemacht zu werden. Zunächst sollten die Verträge genau geprüft werden. Es gebe Verträge, die unter bestimmten Umständen die Beitragsfreistellung ermöglichten. Nicht mehr zu helfen ist den Aktionären der außerbörslich gehandelten Securenta AG. Die inzwischen abgestellte Web-Site nannte schon vor Wochen als Kurs einen Cent je Aktie.

Wer sein Geld in eine typisch stille Beteiligung steckte, kann seine Einlage als Forderung im Insolvenzverfahren anmelden. „Nach der langen Agonie der Göttinger Gruppe dürfte dort mittlerweile nichts mehr zu holen sein“, schätzt Medard Fuchsgruber, Detektiv und Vorstand im Bund der Kapitalanleger e.V. Die atypisch stillen Gesellschafter können nicht einmal darauf hoffen, nach einem langjährigen Insolvenzverfahren Geld zu bekommen. Sie sind an den Verlusten beteiligt.

Der Insolvenzverwalter hat mehrere Ansatzpunkte, Geld von GG-Anlegern zurück zu fordern. Einer sei gegeben, wenn Anleger gewinnunabhängige Auszahlungen erhalten hätten, warnt der Siegburger Anwalt Hartmut Göddecke. Es gab Vertragsvarianten, die solche Zahlungen vorsahen. Einen weiteren Ansatzpunkt für Rückforderungen liefert § 136 der Insolvenzordnung. Er erlaubt dem Insolvenzverwalter, binnen eines Jahres – vom Datum des Insolvenzantrags zurückgerechnet – erhaltene Zahlungen der GG an die stillen Gesellschafter – einzufordern. Das könnte vor allem die treffen, die aufgrund gewonnener Schadenersatzklagen oder vereinbarter Vergleiche Zahlungen von der GG erhielten.

Anwälte raten nun, Forderungen des Insolvenzverwalters mit eigenen Schadenersatzforderungen zu kontern. Schadenersatz kann sowohl wegen fehlender Risikoaufklärung als auch unter Umständen wegen Betruges gefordert werden. Betrug sei es auch, wenn trotz fehlenden Vermögens Vergleiche abgeschlossen werden, die hinterher nicht zu bedienen sind, gibt Anwalt Göddecke zu bedenken.

Darüber hinaus können Anleger versuchen, Geld von Vermittlern wegen falscher Beratung zurückzuholen. „Bei den Vermittlern werden weitere Insolvenzen folgen“ prophezeit der Recklinghausener Rechtsanwalt Hauke Maack, der GG-Geschädigte vertritt.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Göttinger Gruppe hält die Gerichte auf Trab.


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Aller Anfang ist schwer. Doch kaum etwas fällt den Bundesbürgern schwerer, als mit dem Vermögensaufbau anzufangen. Zwar ist laut einer Allensbach-Umfrage jeder Zweite überzeugt, dass seine Rente später nicht reicht. Doch nur 32 Prozent der Befragten sagten, sie wollten stärker vorsorgen.

Ja, man müsste –aber es kommt doch wieder etwas dazwischen. Urlaub, Anschaffungen, Wohnungseinrichtung. Das Thema haben auch Wissenschaftler entdeckt. Behavioral-Finance-Experten wie der Aachener Finanzexperte Rüdiger von Nitzsch untersuchen, was Menschen von der konsequenten Altersvorsorge abhält.

Zunächst ist es schlicht die Disziplin. Menschen handeln lieber emotional als rational. Sie folgen Werbebotschaften, wollen Spaß haben, mit dem neuen Glitzer-T-Shirt Eindruck machen. „Das Gehirn entscheidet nicht zuerst auf der Basis der „Ratio“, sondern gibt anderen wichtigen Bedürfnissen und Emotionen den Vorrang“, sagt von Nitzsch. Anlageexperten raten deshalb, gleich zu Monatsanfang einen festen Betrag auf das Sparkonto zu überweisen. Denn wenn der Sparer abwartet, was am Monatsende übrig bleibt, ist nichts mehr da.

Weil Menschen ungern heute schon auf Dinge verzichten, kommen Betriebe, denen die Vorsorge ihrer Mitarbeiter wichtig ist, immer mehr darauf, gestaffelte Vorsorgemodelle anzubieten. Beiträge werden danach erst abgezweigt, wenn es eine Gehaltserhöhung gegeben hat. Mit jeder neuen Lohnsteigerung steigt dann auch der Betrag, der in die freiwillige betriebliche Altersvorsorge wandert Die Beteiligung der Mitarbeiter an solchen Modellen ist nach den bisherigen Erfahrungen deutlich höher, als bei Konzepten, die sofort Geld vom Gehalt für die Rente abziehen.

Zweiter Grund für das zögerliche Vorsorgesparen vieler Bürger ist das unübersichtliche Angebot. Zertifikate, Sparpläne, Festgeld, Geldmarktkonten, Aktien, Mischfonds, Rentenfonds, Anleihen – jedes Produkt verspricht bessere Renditen oder mehr Sicherheit oder beides. In Supermärkten hat mancher schon festgestellt, dass Kunden überhaupt keine Marmelade mehr kaufen, wenn das Angebot zu groß ist. So ist es wohl auch beim Vorsorgesparen. Doch am Ende ist es gar nicht so wichtig, ob der Sparer nur einen zweitklassigen Fondssparplan erwischt hat, oder ob die zehnjährigen Bundeswertpapiere schlechter abschneiden als kurzfristigere Papiere. Hauptsache, es wandert Geld auf die hohe Kante. Nur bei Verträgen die den Anleger über lange Zeiträume binden, wie etwa eine Kapitallebensversicherung, sollten Sparer vorsichtig sein. Es kann passieren, dass plötzlich der Job weg ist oder die Zinsen fürs Haus steigen. Dann müssen Ersparnisse auch verfügbar sein.

Ein weiterer Grund fürs Aufschieben: Menschen fehlt die Vorstellungskraft, dass sie irgendwann nicht mehr so viel Geld haben wie heute. Sie glauben gerne, dass alles so weiter geht wie bisher. Da hilft vor allem eine Bestandsaufnahme. Wie viel Rente ist zu erwarten, was ist das Geld dann noch wert, und wie groß ist die Lücke.

hussla@handelsblatt.com
Das beste Investment sind Sie selbst


Beim Thema Vermögensaufbau wird der wichtigste Posten oft vergessen: Das Humankapital, das der Sparer in seinem Kopf mit sich trägt. Die vielen Fähigkeiten, die ihn zu einer attraktiven und gut bezahlten Arbeitskraft machen. So kann ein MBA leicht 1 000 Euro mehr Netto-Gehalt im Monat einbringen... und später auch 1 000 Euro mehr Rente.

Gertrud HusslaMit dem Sparen anzufangen, fällt vielen Bürgern schwer. Das Unterbewusstsein kann sich die weite Zukunft nicht vorstellen. Auch reagiert der Kopf in erster Linie emotional. Es gibt jedoch Wege, sich selbst ein Schnippchen zu schlagen.

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Experten haben Jahrzehnte geforscht, um Massenvernichtungswaffen zu entwickeln, die Menschen zerstören, aber die Gebäude intakt lassen. Man nennt diese Waffen Hypotheken.“ Das Bonmot des britischen Komikers Jeremy Hardy klingt wie das perfekte Motto für die Kreditkrise und den drohenden Immobiliencrash, vor dem sich die Briten fürchten.

Von Michael Maisch


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