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27.10.2006 
Steigende Kurse

Banken halten sich gut

von Rolf Benders

Steigende Kurse und ein für sommerliche Verhältnisse starkes Geschäft mit Aktienemissionen haben den deutschen Banken zu einem überraschend starken dritten Quartal verholfen. Der befürchtete Einbruch im operativen Geschäft dürfte ausgeblieben sein.

FRANKFURT. Analysten gehen davon aus, dass Deutsche Bank und Commerzbank in der kommenden Woche zwar saisonal bedingt schwächere Ergebnisse als in den ersten beiden Quartalen vorlegen werden. Der zwischenzeitlich befürchtete massive Einbruch im operativen Geschäft dürfte aber ausgeblieben sein. „Die Ergebnisse der US-Investmentbanken waren besser als erwartet, und vor allem das für die Deutsche Bank wichtige Geschäft mit festverzinslichen Papieren war robust“, urteilt Andreas Weese, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank. So büßten die sechs größten US-Investmentbanken im Kerngeschäft im Sommer gegenüber dem Vorquartal nur acht Prozent der Erträge ein.

Klassischerweise ist das dritte Quartal wegen der Ferienzeit an den Kapitalmärkten von wenig Aktivität geprägt, entsprechend gering fallen die Erträge der Banken aus. In diesem Jahr war die Flaute aber weniger ausgeprägt, was man auch daran ablesen kann, dass in Deutschland 18 Firmen an die Börse gingen; 2005 waren es in gleichen Zeitraum nur vier gewesen. Außerdem stieg der Deutsche Aktienindex (Dax) von Juli bis Ende September um 5,6 Prozent auf 6004 Punkte. Insgesamt dürften die drei großen, im Dax vertretenen Institute Deutsche Bank, Commerzbank und Postbank mit den Gewinnen aus dem dritten Quartal auf bestem Wege sein, ihre Renditeziele zu erfüllen. Der Wachstumstrend bei den Gewinnen auf Jahresbasis bleibt vorerst ungebrochen.

Das erstaunlich robuste Marktumfeld dieses Sommers dürfte sich vor allem auf das Quartalsergebnis der traditionell sehr kapitalmarktabhängigen Deutschen Bank niederschlagen. Der Branchenprimus wird am nächsten Mittwoch nach Einschätzung der von Bloomberg befragten Analysten einen um 7,3 Prozent auf 1,061 Mrd. Euro gestiegenen Gewinn ausweisen. Im Quartalsvergleich ist das ein Rückgang von 13 Prozent. Nach dem ersten Halbjahr hatten einige Analysten einen Rückgang im Quartalsvergleich um ein Drittel befürchtet. Im Blickpunkt dürfte erneut das Ergebnis im Eigenhandel stehen. Hier hatte die Bank im zweiten Quartal einen Verlust von rund 100 Mill. Euro verzeichnet.

Die Kreditvorsorge wird nach Einschätzung der Experten in der ganzen Branche anwachsen. „Die Zahl der privaten Insolvenzen steigt weiter, das wird man in den Kreditbüchern der Banken sehen“, sagte Joachim Müller, Analyst der Investmentbank Cheuvreux. Besonders stark wird dieser Negativeffekt wohl bei der Commerzbank ausfallen, die am nächsten Freitag ihre Zahlen vorlegen wird. Die Bank wird wohl neben der Vorsorge aus dem operativen Geschäft voraussichtlich bis zu 300 Mill. Euro für an Häuslebauer vergebene Kredite der zuletzt akquirierten Eurohypo bereitstellen. Diese bereits als „Harmonisierung“ des Risikomanagements der beiden Banken angekündigte Maßnahme wird die Risikovorsorge 2006 voraussichtlich auf 919 Mill. Euro hochtreiben, den höchsten Wert seit dem Krisenjahr 2003. Die vom Handelsblatt befragten Analysten rechnen daher mit einem Rückgang des Quartalsgewinns der Commerzbank um über 20 Prozent auf rund 207 Mill. Euro gegenüber dem Vorjahr. Darin enthalten sind geschätzte 50 Mill. Euro Gewinn aus dem Verkauf der Anteile an dem Sportwagenhersteller Ferrari. Wegen des aber in diesem Jahr insgesamt gut laufenden Geschäfts mit Firmenkunden und am Kapitalmarkt rechnen Analysten trotz der hohen Risikovorsorge für 2006 mit einem Gewinnsprung um rund 40 Prozent auf über 1,5 Mrd. Euro.

Die Postbank steckt nach der Übernahme der Bausparkasse BHW in einer Übergangsphase. Wachstumsimpulse aus der Übernahme werden erst in den nächsten Jahren sichtbar. Analysten rechnen mit einem stabilen Ergebnis gegen über dem zweiten Quartal, als der Gewinn bei 143 Mill. Euro lag. Allerdings könnte sich die gute Dax-Entwicklung negativ auf das Wachstum des Zinsüberschuss auswirken. „Wir wären nicht überrascht, wenn das Wachstum hier nachgelassen hätten“, urteilt Jon Peace von Fox-Pitt, Kelton. Grund seien Bonuszahlungen für das erfolgreiche Dax-Sparbuch, bei dem die Anleger bei einem steigenden Index höhere Zinsen erhalten.

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