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20.02.2007 
Ermittlungen zur Bawag-Pleite

Der österreichische Patient

von Oliver Stock

Der Skandal um die österreichische Bank Bawag entwickelt sich zum Krimi. Helmut Elsner, ehemaliger Bawag-Chef, wurde vor einer Woche verhaftet, als er sich in ein französisches Krankenhaus begab. Seither ist er der prominenteste Häftling und Patient Österreichs.

Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner lebte lange auf großem Fuß. Jetzt muss er sich vor der Justiz verantworten. Foto: apLupe

Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner lebte lange auf großem Fuß. Jetzt muss er sich vor der Justiz verantworten. Foto: ap

ZÜRICH. Als sich Helmut Elsner am Dienstag vor einer Woche ins Krankenhaus nach Marseille begibt, sieht alles nach einem Routinetag aus: Über der Cote d’Azur weht ein Hauch von Frühling. Dem Ex-Bankier, der hier in der südfranzösischen Kleinstadt Mougins lebt, steht die Bräune im Gesicht gut. Er kennt die Prozedur schon, die jetzt kommt – eigentlich. An diesem Dienstag warten im Hospital La Timone zwei Ärzte auf den 71-jährigen Patienten – ein französischer und ein österreichischer Herzspezialist.

Elsner, der per internationalem Haftbefehl von der österreichischen Justiz gesucht wird, schwant, dass er in eine Falle getappt ist. Er ruft seinen Anwalt an, der mit einer einstweiligen Verfügung an das Gericht in Aix-en-Provence die Auslieferung verhindern soll. Doch der Jurist verliert das Rennen gegen die Mediziner: Sie attestieren Elsner volle Transportfähigkeit. Mit der Hinhaltetaktik des Angeklagten und seines Anwalts ist es vorbei. „Hilfe, ich werde entführt“, ruft Elsner, als ihn die Ärzte in einen Krankenwagen verfrachten. „Sie verletzen die Menschenrechte!“

Doch Elsner nützt kein Klagen und kein Widerstand. Der Krankenwagen bringt ihn zum Flugplatz, wo ein zum Ambulanztransporter umgerüsteter Privatjet wartet und ihn nach Wien-Schwechat fliegt. Von dort geht es weiter ins „Graue Haus“, wie das größte und vollste Gefängnis Österreichs in der Josefstadt genannt wird.

Mit der Festnahme geht ein juristische Tauziehen um die Person zu Ende, die die österreichische Staatsanwaltschaft für den Hauptschuldigen im Strafprozess um die Beinahe-Pleite der ehemaligen Gewerkschaftsbank Bawag hält. Monatelang hatte Elsner mit Hinweis auf seine Herzkrankheit seine Auslieferung nach Wien verhindert. Er bewegte sich sogar auf freiem Fuß, weil ein Freund von ihm eine Kaution von einer Millionen Euro hinterlegt hatte, und musste sich nur in regelmäßigen Abständen zur besagten Untersuchung einfinden, um seine fehlende Transportfähigkeit nachzuweisen.

Was Elsner zum Verhängnis wurde, war, dass seit seiner vorangegangenen Untersuchung die Regierung in Wien gewechselt und Maria Berger das Justizministerium übernommen hat. Die 50-jährige Juristin saß zuvor 13 Jahre im Europäischen Parlament. Französisch spricht sie fließend. Elsner heimzuholen war ihr erster Coup als Ministerin, was nicht zuletzt auch ihre sozialdemokratischen Parteikollegen stärkt, die in der neugeschmiedeten großen Koalition bislang einen eher glücklosen Eindruck hinterlassen haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Elsner galt in Österreich als Absahner der Nation.

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