| HANDELSBLATT, Donnerstag, 12. Juli 2007, 13:26 Uhr | |||||||||||||||||||||||||||||||||
Wie sind Private-Equity-Firmen so mächtig geworden? Mit einem recht simplen Geschäftsmodell: Die Fonds sammeln bei Pensionsgesellschaften, Banken, Versicherungen und wohlhabenden Familien Geld ein. Mit diesem Kapital und noch mehr Bankkrediten kaufen sie Unternehmen. Die trimmen sie drei bis sieben Jahre auf Effizienz und Expansion und verkaufen sie dann möglichst gewinnbringend weiter. Ausgebreitet hat sich das Modell von den USA und später Großbritannien aus. Zugang zum deutschen Markt bekamen die Fonds aber erst, als die Deutschland AG sich auflöste und Konzerne sich von ihren Randgeschäften trennten. Inzwischen sind selbst Dax-Unternehmen nicht mehr vor ihnen sicher. Anfang des Jahres wäre der Reifenhersteller Continental beinahe von Finanzinvestoren geschluckt worden. Auch Unternehmen wie Adidas, der Chipproduzent Infineon oder Rewe stehen im Fadenkreuz. Wo immer in Deutschland etwas zu verkaufen ist: Private-Equity-Fonds stehen bereit. Das sorgt für öffentliches Unbehagen. Denn Private-Equity-Manager sind vaterlandslose Gesellen. Sie wollen Unternehmen in der globalen Wirtschaft so effizient wie möglich aufstellen - was nicht immer zu den Standortinteressen der jeweiligen Politiker und Mitarbeiter passt. Dazu kommt, dass Unternehmen die Zinslast der Kreditpakete für ihren Kauf selbst bedienen müssen. Das erhöht den Rationalisierungsdruck. So steht die Branche im Ruf, Arbeitsplätze zu vernichten, was sich statistisch jedoch nicht belegen lässt.
Gesichtslose Wesen Eher im Gegenteil. Der europäische Private-Equity-Verband ermittelte, dass die Branche in Europa zwischen 2000 und 2004 rund 420 000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Und Marcus Brennecke, Deutschland-Chef des schwedischen Finanzinvestors EQT, sagt: "Die Unternehmen, an denen wir uns beteiligt haben, haben unter unserer Ägide Umsatz und Mitarbeiter im Schnitt pro Jahr um elf Prozent gesteigert, den Gewinn sogar um 17 Prozent." Teil des Problems ist auch, dass die Private-Equity-Gesellschaften trotz wachsender Bedeutung gesichtslose Wesen geblieben sind. Am liebsten würden die Herren ihre Milliarden-Käufe ohne neugierige Öffentlichkeit abwickeln. Doch die Zeiten sind vorbei, das hat KKR-Chef Huth erkannt: "Wir sind zu wichtig geworden, als dass wir uns noch verstecken könnten". Wer sind die Macher hinter den Milliarden-Deals? Und was bewegt sie? Sie sind klein, das ist die erste Überraschung. Im Verhältnis zu den Summen, die sie bewegen, sind sie geradezu winzig. KKR und Permira beschäftigen jeder weltweit nur rund 90 so genannte Investment-Manager, die die weitverzweigten Imperien kontrollieren und erweitern. Sie halten nach geeigneten Unternehmen Ausschau, prüfen sie, organisieren die Übernahme, begleiten die Entwicklung und am Ende den Verkauf des Unternehmens. Lesen Sie weiter auf Seite 3: Echte deutsche Fonds gibt es nur wenige. | |||||||||||||||||||||||||||||||||
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