0 Bewertungen
22.11.2006 
Neuartige Spezialanleihen

Mit großem Hebel spekulieren

von Andrea Cünnen

Der stark wachsende Markt für Kreditderivate ist um eine Spielart reicher geworden, die für viel Aufsehen sorgt. „Constant Proportion Debt Obligations“ – kurz CPDO – heißen die neuen Produkte. Dabei handelt es sich im Kern um Anleihen auf Indizes für Kreditderivate. Die neuartigen Spezialanleihen bieten hohe Renditen.

FRANKFURT. Mit Kreditderivaten sichern Investoren ähnlich wie bei einer Versicherung Anleihen und Kredite gegen mögliche Ausfälle ab und können durch Spekulation mit den Papieren auch von fallenden Kursen profitieren. „CPDO sind das beherrschende Thema am Derivate-Markt“, sagt Thorben Kremers, Credit-Stratege bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Das Besondere an den Spezial-Anleihen ist, dass sie von den Ratingagenturen die Bestnote Dreifach-A bekommen und trotzdem hohe Renditen bieten. CPDO verzinsen sich variabel. Bei einer Laufzeit von zehn Jahren gibt es Aufschläge um die 1,25 Prozentpunkte auf die dreimonatigen Interbankenzinssätze Euribor oder Libor. Anfangs lagen die Aufschläge sogar bei zwei Prozentpunkten.

Möglich ist die hohe Rendite vor allem deshalb, weil die Produkte mit einem bis zu 15fachen Hebel (Leverage) ausgestattet sind. Dabei werden dann 100 Euro Eigenkapital – das gängige Volumen der CPDO – mit bis zu 1 500 Euro Fremdkapital angereichert.

Die neuen Produkte basieren auf Indizes für Kreditderivate wie dem fünfjährigen iTraxx Europe. Er bezieht sich auf 125 Unternehmen mit Investment-Grade-Rating in Europa. Seine Risikoaufschläge spiegeln die durchschnittlichen Kosten für den Schutz vor einem Kreditausfall wider (siehe „Entwicklung am Derivatemarkt“). Über die CPDO-Struktur verkaufen die Banken Versicherungsschutz auf die Indizes.


» Hier lesen Sie mehr zum Thema Anlagestrategie ...


Die Hebelwirkung kommt dadurch zu Stande, dass die CPDO-Anleihen nur einen Bruchteil des Nominalvolumens des iTraxx-Portfolios ausmachen. So werde zum Beispiel bei einer Emission über 200 Mill. Euro eines 15fach gehebelten CPDO ein Nominalvolumen über drei Mrd. Euro gehandelt, erklärt Kremers von der LBBW in einer Studie. Dabei werde der Hebel der CPDO-Struktur so angepasst, dass der Barwert des Credit-Portfolios dem Barwert der Anleihe aus Nominalwert und Zinseinnahmen entspreche. Wenn der Wert des Credit-Portfolios sinkt, wird der Hebel erhöht und umgekehrt. „Investoren droht jedoch der Totalverlust, wenn es im iTraxx zu Ausfällen oder sehr großen Spread-Ausweitungen und Einengungen kommt“, warnt Kremers. So können die Risikoprämien für die Kreditversicherungen in die Höhe schnellen, wenn sich die wirtschaftliche Lage der Unternehmen verschlechtert und die Angst vor Zahlungsausfällen steigt oder sogar tatsächlich Unternehmen ihre Schulden nicht bedienen.

Das Ausfallrisiko wird allerdings dadurch begrenzt, dass der Index alle sechs Monate angepasst wird. Unternehmen, die in dieser Zeit in den ausfallgefährdeten Ratingbereich Non-Investment-Grade herabgestuft wurden, fallen aus dem Index.

Als erstes Haus kam im August ABN Amro mit einem CPDO auf den Markt, inzwischen bieten viele Investmentbanken institutionellen Investoren die Produkte an. Die Papiere sind nicht börsennotiert, von daher ist der Markt intransparent. In den vergangenen Monaten wurden aber schon CPDO im Nominalvolumen von 1,5 Mrd. bis zwei Mrd. Dollar umgesetzt, schätzt die Citigroup. Durch den hohen Hebel bedeute dies, dass allein durch die CPDO Versicherungsschutz auf Indizes über 30 Mrd. Dollar verkauft wurde. Das gestiegene Angebot an Versicherungsschutz lässt die Risikoprämien und mit Zeitverzögerung auch die Renditen von Unternehmensanleihen sinken.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Ratingagentur Standard & Poor’s sorgt für Wirbel.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Sorgen am Kap

08.07.2008
Anzeige

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Kommentar: Bernanke, der Hase  Artikel in Merkliste

25.06.2008 von Frank Wiebe

Ist er nun eine Taube oder doch ein bisschen ein Falke? Die Frage stellt sich immer, wenn ein Notenbankchef an die Öffentlichkeit tritt. Aber bei US-Notenbankchef Ben Bernanke fällt einem eher ein Pelztier ein. Bernanke ist ein Hase - er hat Angst. Kommentar

Handelsblatt-Kommentar

Stahlharter Markt  Artikel in Merkliste

24.06.2008 von Dirk Heilmann

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass der Rohstoffmarkt derzeit ein Verkäufermarkt ist, dann haben ihn die Eisenerzproduzenten jetzt erbracht. Der Rohstoffriese Rio Tinto setzte eine Verdoppelung des Preises durch. Kommentar

Handelsblatt Börsenradio 08.07.2008 (Abendausgabe) 

08.07.2008Börsenradio

Siemens will 16.750 Stellen abbauen - Klöckner & Co schraubt Ziele nach starkem Halbjahr erneut nach oben - Rasante Talfahrt bei Ölpreisen - BMW will mit Fiat kooperieren - Aktien Frankfurt Schluss: DAX schwach Anhören


Anzeige