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25.01.2007 

In der Studie erhielten selbst Menschen, die 1 000 Euro verdienten, noch Transferzahlungen von ca. 800 Euro. Dass 15 Prozent Steuern zahlt, wer auch nur 700 Euro im Monat verdient - das ist gültiges Recht -, muss demnach für die Mehrheit der Gipfel der Ungerechtigkeit sein. Auch was den Spitzensteuersatz angeht, ist der Steuerzahler eher für etwas mehr Umverteilung als die von ihm gewählten Politiker. Bis zu 50 Prozent und mehr, finden die Deutschen, sollten gut Verdienende abgeben müssen. In der Realität liegt der Spitzensteuersatz bei 45 Prozent.

Dass die Unterschiede zwischen Wunsch und Wirklichkeit so auseinander klaffen, liegt wohl an der Art der Fragestellung. "Wir haben die Leute nicht nach ihrem favorisierten Steuermodell gefragt oder nach ihrer Meinung zum Spitzensteuersatz, denn wir wollten bestimmte Begriffe aus der politischen Diskussion vermeiden. Sonst hätten sich die Befragten für genau den Typ von Steuern ausgesprochen, den ihre Partei vertritt", erläutert Behnke.

Stattdessen drückten die Sozialwissenschaftler jedem Probanden 15 000 Euro Spielgeld in die Hand und forderten sie auf, das Geld auf die Konten einer Mini-Gesellschaft aus fünf Menschen zu verteilen, von denen drei arbeiten und zwei arbeitslos sind. Wie viel Geld die Erwerbstätigen verdienen und warum die Arbeitslosen arbeitslos sind, variierten die Forscher systematisch, so dass insgesamt 24 Szenarien abgefragt wurden.

So bestand die Mini-Gesellschaft zum Beispiel aus einer allein erziehenden Mutter, einem Langzeitarbeitslosen und drei Erwerbstätigen, die 10 000 Euro, 4 000 Euro und 1 000 Euro verdienen. Nun durften die Teilnehmer der Studie so lange hin und her schieben, bis das Geld ihrer Meinung nach gerecht verteilt war. Im Ergebnis wird nach Ansicht des Durchschnittsdeutschen etwa 20 Prozent des erwirtschafteten Einkommens umverteilt - ein Anteil, der der tatsächlichen Steuerquote in etwa entspricht. "Das zeigt, dass unsere Aufgabe ganz gut in der Lage ist, die Realität modellhaft wiederzugeben", so Behnke. Ob ein Mensch viel oder wenig Geld umverteilen würde, hängt in hohem Maße auch davon ab, ob er sich in der Gesellschaft gut aufgehoben fühlt.

In der "Ethik-Monitor"-Studie erfragten Behnke und seine Kollegen auch die Einstellung der Probanden zu Politik und Wirtschaft - und attestieren den Deutschen ein zutiefst gestörtes Vertrauensverhältnis gegenüber ihren Eliten.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die Forscher entdecken verblüffende Ähnlichkeiten zwischen Anhängern der SPD und der CDU.

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