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09.07.2008 
Presseschau vom 9.7.2008

Ein Königreich vor dem Abgrund

von Peggy Pfaff

Die internationale Wirtschaftspresse kommentiert die Lage in Großbritannien vor dem Hintergrund der Ankündigung der Britischen Wirtschaftskammer, die Insel stehe kurz vor einer Rezession. Der Toronto Star fürchtet um Kanadas Mitgliedschaft im G 8-Verein. Für die Japan Times ist die Weltwirtschaft ein Zug, der führerlos an die Wand rast. Fundstück: Im US-Wahlkampf ist eine Stimme nichts wert.

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.Lupe

Ein Blick in die internationale Wirtschaftspresse.

„Wir fühlen uns zurückversetzt ins Jahr 1980, am Rande des wirtschaftlichen Abgrundes“, gibt die Financial Times die düstere Stimmung in Großbritannien wieder. Und doch gebe es einen Unterschied: „Die Briten sind noch pessimistischer gestimmt als damals, als das Land vor 28 Jahren mit Margaret Thatcher in die Rezession schlitterte.“ Sieben von zehn Briten glaubten, dass sich die Wirtschaftslage noch im Laufe des Jahres verschlechtern wird, Ökonomen gingen von Stagnation und Jobverlusten im sechsstelligen Bereich aus. „Das trifft die Nation umso härter, als hinter ihr eine Periode ungebrochenen Wachstums von 15 Jahren liegt, mit steigenden Immobilienpreisen und leicht zugänglichen Krediten.“ Schuld daran habe auch Premierminister Gordon Brown, der als Finanzminister in den Jahren des Überflusses die Zügel zu locker gehalten habe. Kein Wunder, dass die Frage nach Browns Zukunft nun immer häufiger mit „Kommt darauf an“ beantwortet werde.

Auch die Montreal Gazette aus Kanada sieht die drohende Rezession in Großbritannien als Test für Gordon Brown. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt fast sechzehn Jahre lang zugelegt habe, stehe die fünftgrößte Wirtschaft der Welt vor einer schmerzlichen Zäsur. Dabei seien vor allem zwei Wirtschaftszweige betroffen: der Immobiliensektor und der Handel. Großbritannien leide wie alle reichen Länder unter der Kreditkrise und der Inflation, doch sei es exponierter als andere aufgrund von drei Faktoren: „Die Immobilieblase war hier eine der größten, die Preise für Häuser stiegen bis 2007 um 140 Prozent. Außerdem haben die britischen Haushalte die höchsten Schulden im Vergleich mit der G7-Staaten angehäuft. Und schließlich basiert die Wirtschaft zu stark auf dem Finanzmarkt – das hat sie deshalb viel anfälliger für die Bankenkrise gemacht. Für Brown ist das eine ernüchternde Erfahrung: Er hat sich seinen Ruf als Wirtschaftskenner in Zeiten schönen Wetters aufgebaut. Nun muss er stürmische Wetterlagen meistern.“

„Es steht nicht gut um die Insel“, kommentiert die Ohmy News aus Südkorea die Lage. „Großbritannien scheint der gefürchteten Rezession so nah wie zuvor.“ Die Ursachen – Immobilienkrise, Inflation – seien hinlänglich bekannt, die gesellschaftlichen Auswirkungen auf den Titelseiten der Zeitungen präsent: Die Angst mache sich breit auf den Straßen, insbesondere in einigen Vierteln Londons, Gangs seien häufiger unterwegs, Raubüberfälle würden zunehmen. „Es muss sich viel ändern im modernen Königreich“, meint das Blatt – und verweist zugleich auf ein Grundproblem: „Das Land wird regiert von einem Premierminister, den es nicht gewählt hat. Es dürfte irgendwann einmal Gegenstand historischer Debatten sein, inwiefern Unglück oder Inkompetenz dazu beigetragen haben, dass das gute Schiff Britannia auf die Klippen zusteuerte, seit Gordon Brown am Ruder stand.“

Der britische Independent registriert die prompte Reaktion auf die Ankündigung der Britischen Wirtschaftskammer an den Aktienmärkten: Der britische Aktienindex FTSE 100 sei nun in einen Bärenmarkt abgerutscht. „Um 2 Prozent ist der Index eingebrochen – ausgelöst durch den Druck der Wall Street, aber vor allem durch die düsteren Prognosen.“ Insider befürchteten nun weitere Kreditabschreibungen bei den Banken und abermals sinkende Unternehmensgewinne, Immobilienfirmen verzeichneten bereits jetzt weniger Aufträge. „Doch die Hausbesitzer werden sich keine Erleichterung von der Bank of England erwarten dürfen. Aus Angst vor der Inflation wird sie die Leitzinssätze unverändert lassen – auch wenn die Wirtschaft leidet.“

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