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26.03.2008 
Datenschützer prüfen

Bespitzelungs-Vorwürfe gegen Lidl

Der Lebensmitteldiscounter Lidl ist wegen des Vorwurfs der Mitarbeiterbespitzelung ins Visier von Datenschützern gerückt. Es wird datenschutzrechtlich geprüft, ob die Beschäftigten in zahlreichen Filialen systematisch überwacht wurden. Lidl hält das in Einzelfällen für möglich.

Der Eingangsbereich eines Lidl-Lebensmitteldiscounters. Lidl soll Beschäftigte in zahlreichen Filialen systematisch überwacht haben. Foto: dpaLupe

Der Eingangsbereich eines Lidl-Lebensmitteldiscounters. Lidl soll Beschäftigte in zahlreichen Filialen systematisch überwacht haben. Foto: dpa

HB NECKARSULM/STUTTGART. Der Lebensmitteldiscounter hat eingeräumt, dass in einzelnen Filialen Mitarbeiter möglicherweise mit Überwachungskameras bespitzelt wurden. „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass es dazu Aufträge gegeben hat“, sagt das Mitglied der Lidl-Geschäftsführung, Jürgen Kisseberth, am Mittwoch in Neckarsulm. „Das war aber nicht der Auftrag der Geschäftsleitung.“ Zwei Detekteien hätten den Auftrag gehabt, über Kameraanlagen vor allem Diebstähle von Kunden aufzudecken. Erst wenn alle Aufträge im Bundesgebiet geprüft worden seien, könnten alle Verdachtsmomente ausgeschlossen werden, erklärte Kisseberth.

Nach Informationen des Magazins „Stern“ wurde über zahlreiche Überwachungskameras registriert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat und wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur „introvertiert und naiv wirkt“. Aufgeführt wurde laut „Stern“ unter anderem auch, ob Mitarbeiter des Neckarsulmer Unternehmens tätowiert waren. Das Magazin beruft sich auf interne Lidl-Protokolle.

Ein Lidl-Sprecherin sagte dem Magazin, die Protokolle dienten nicht der Mitarbeiterüberwachung, sondern der Feststellung eventuellen Fehlverhaltens. Die meisten Überwachungsberichte sollen den Angaben zufolge aus Lidl-Filialen in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Berlin und Schleswig-Holstein kommen.

Die Datenschützer für den nicht-öffentlichen Bereich in Baden-Württemberg werden nach Angaben des Innenministerium den Fall unter die Lupe nehmen. „Der Sachverhalt muss aufgeklärt werden“, betonte eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums am Mittwoch in Stuttgart. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi sprach von einem Skandal. Wenn die Vorwürfe stimmten, „dann passt das in das System der permanenten Kontrolle und Unterdrückung in dem Unternehmen“, sagte der Handelsexperte der Gewerkschaft in Baden-Württemberg, Bernhard Franke.

Der Gewerkschafter forderte die Mitarbeiter auf, gegen die Zustände vorzugehen und Betriebsräte zu wählen. „Die Mitarbeiter werden eingeschüchtert und verängstigt. Es gibt so gut wie keine Betriebsräte bei Lidl“, erklärte Franke.

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