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20.03.2007 
Bundeswehrsoldaten in Prizren

„Wir sind die Latte-macchiato-Truppe“

von Mathias Brüggmann

Der Frustpegel steigt. Insgesamt 16 000 Soldaten dienen derzeit im Kosovo. Sie sollen die Krisenregion stabilisieren. Für sie stellt sich immer drängender die Frage: Wie lange soll das hier noch so weitergehen? Viele Bundeswehrsoldaten wären lieber in Afghanistan, statt in Prizren Wache zu schieben – ein Ortsbesuch.

Deutsche Kfor-Soldaten kontrollieren einen Albaner bei Prizren. Foto: ArchivLupe

Deutsche Kfor-Soldaten kontrollieren einen Albaner bei Prizren. Foto: Archiv

PRIZREN. Laut und zynisch fällt die Begrüßung aus: „Gebt alles, Jungs! Hier werdet ihr echt gebraucht“, rufen Bundeswehrsoldaten im Kosovo kurz vor ihrem Abflug in die Heimat ihren Kollegen zu, die gerade auf dem Militärflugfeld in Pristina gelandet sind. 66,47 Euro Zulage täglich, fast risiko- und vor allem steuerfrei, locken die Männer auf den Balkan.

Doch einmal angekommen, nagen schnell Zweifel an den Männern: „Wir setzen hier unsere besten Kampfeinheiten ein für Wachaufgaben, und nach Afghanistan müssen wir auf Grund des Mangels an bestausgebildeten Verbänden Artilleristen schicken“, ereifert sich ein Offizier, der mit seinem Zug in die Nähe von Prizren verlegt wurde. Wie fast alle Offiziere und Soldaten hier im Einsatz darf er seinen Namen nicht nennen. Anonym schiebt er nach: „Ich wäre lieber in Afghanistan im Einsatz.“ Das sei zwar für die Familie daheim viel schwerer zu ertragen, sie lebe dann stets in Sorge. Doch in Afghanistan würden die Uniformierten zumindest gebraucht, dort gehe die Zeit daher auch „viel schneller rum als hier mit Warten und Wacheschieben“, begründet er.

Der Frustpegel steigt. Immer mehr Bundeswehrsoldaten stellen den Sinn ihrer Arbeit im Kosovo in Frage. Angesichts der zahlreichen Auslandseinsätze hat Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung vor einer Überforderung der Bundeswehr gewarnt und bereits gefordert, die ein oder andere Auslandsaktion zu beenden – wie zuletzt im Kongo. Ein Ende des Kosovo-Einsatzes, der inzwischen ins neunte Jahr geht, ist aber noch nicht in Sicht.

Insgesamt 16 000 Soldaten gehören dort derzeit zum Kfor-Kommando der Nato. Sie sollen die Krisenregion stabilisieren. Und für sie stellt sich immer drängender die Frage: Wie lange soll das hier noch so weitergehen?

„Die Amerikaner machen Druck, im Kosovo eine endgültige Lösung zu finden, das Kosovo in die Unabhängigkeit von Serbien zu entlassen“, sagt ein ranghoher internationaler Diplomat in der kosovarischen Hauptstadt Pristina und schiebt den Grund gleich nach: „Washington will seine Soldaten vom Balkan abziehen. Die Amerikaner brauchen ja schließlich ganz dringend neue Einsatzkräfte im Irak.“

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Noch sorgen 2 300 Bundeswehrsoldaten um die Stadt Prizren herum für Sicherheit unter Serben, Albanern, Bosniaken und Roma.

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