0 Bewertungen
14.05.2008 
Eckpunktepapier

DGB will „Zeitbombe Altersarmut“ entschärfen

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat die Bundesregierung aufgefordert, die „tickende Zeitbombe Altersarmut“ umgehend zu entschärfen. Wer zur Stützung von öffentlichen Banken kurzfristig mehrere Milliarden Euro aus Steuermitteln zur Verfügung stellen könne, der könne auch Gelder zur Vermeidung von Altersarmut einplanen.

Will die gesetzliche Rente "zukunftsfest" machen: DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Foto: apLupe

Will die gesetzliche Rente "zukunftsfest" machen: DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Foto: ap

HB BERLIN. Der DGB legte am Mittwoch ein umfassendes Rentenkonzept vor, das mit Steuermilliarden in zweistelliger Höhe die gesetzliche Rente „armuts- und zukunftsfest“ machen soll.

Die DGB-Rentenexpertin Annelie Buntenbach forderte die Bundesregierung am Mittwoch in Berlin auf, umgehend aktiv zu werden.

In dem Eckpunktepapier wird für ein höheres Rentenniveau die Abschaffung oder weitere Aussetzung von Dämpfungsfaktoren in der Rentenformel gefordert.

Die Rentenansprüche von Langzeitarbeitslosen sollen ebenso aufgewertet werden wie jene von Geringverdienern nach mindestens 25 Jahren Beitragszahlung. Der Zugang zur Erwerbsminderungsrente soll erleichtert, Abschläge abgeschafft werden.

Der DGB schlägt auch vor, Selbstständige, Beamte und Politiker mit entsprechenden Übergangsregelungen in die Rentenversicherung einzubeziehen.

Die bisherigen Renten- und Arbeitsmarktreformen hätten alle Generationen zu Verlierern gemacht, kritisierte Buntenbach: „Arbeitnehmer haben nicht mehr zum Leben und weniger fürs Alter“.

Zu den Kosten des Konzepts von schätzungsweise 16,5 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 sagte Buntenbach, wenn zur Stützung von öffentlichen Banken kurzfristig mehr als zwölf Milliarden Euro aus Steuermitteln zur Verfügung stünden, dann müsse es auch möglich sein, solche Gelder zur Vermeidung von Altersarmut einzuplanen.

Zudem fielen langfristig Kosten von etwa neun Milliarden Euro für die Grundsicherung im Alter weg.

Buntenbach warnte davor, sich in der derzeitigen Diskussion in Details zu verzetteln. Es müsse darüber gesprochen werden, was Armut vermeide und wie viel dafür gebraucht werde. Sie stimmte den Renten-Vorschlägen von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) im Grundsatz zu.

Dieser hatte vorgeschlagen, langjährig beschäftigten Geringverdienern die Rente aufzustocken. Die CDU-Spitze hatte sich später auf einen Kompromiss geeinigt.

Buntenbach rief Rüttgers zugleich auf, sich um die derzeitige Situation am Arbeitsmarkt zu kümmern. „Dazu gehört auch, dass der Niedriglohnsektor nicht ausgebaut wird.“

Auch der Sozialverband VdK sprach sich für ein Gesamtkonzept gegen Altersarmut und gegen Niedriglöhne aus. „Mit Hungerlöhnen droht auch Altersarmut“, warnte VdK-Präsident Walter Hirrlinger. Er forderte, die Rente nach Mindesteinkommen wieder einzuführen.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige
Anzeige

weiterBildergalerien

 

zurück  vor
  • Alte Hasen und ehrgeizige...

    Alte Hasen und ehrgeizige Neulinge

    Für Kanzlerin Merkel ist es die Nahrungsmittelkrise, dem britischen Premier Brown liegt Simbabwe am Herzen, Japans Ministerpräsident Fukuda zeigt auf den Klimawandel und US-Präsident Bush will vor allem einen guten Abgang hinlegen. Neben der offiziellen Agenda verfolge...Bildergalerie 

  • Das Drama um Ingrid Betan...

    Das Drama um Ingrid Betancourt

    „Gott, was für ein Wunder!“ Ingrid Betancourt kann es kaum glauben. Nach sechs Jahren wird sie aus der Farc-Geiselhaft im Dschungel von Kolumbien befereit. Die Nachricht stößt weltweit auf Freude und Erleichterung. Betancourts erster Auftritt in Freiheit und ihre Leide...Bildergalerie 

  • Steinbrück drückt Etatplä...

    Steinbrück drückt Etatpläne durch

    Sechs Flaschen Rotwein setzt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) darauf, dass der Bundeshaushalt im Jahr 2011 erstmals seit gut vier Jahrzehnten wieder ohne neue Schulden auskommen wird. Wie der heute vom Kabinett verabschiedete Entwurf für den Haushalt 2009 und...Bildergalerie 

  • Was sich zum 1. Juli ände...

    Was sich zum 1. Juli ändert

    Am 1. Juli treten zahlreiche Änderungen in Kraft, die zum Teil in den letzten Monaten heftig umstritten waren: Rentner können sich über etwas mehr Geld im Portemonnaie freuen. Die Pflegereform bringt Verbesserungen für Pflegebedürftige und die Krankenversicherung steh...Bildergalerie 

 

Handelsblatt Experten + Meinungen

Handelsblatt-Kommentar

Ein kleiner Fortschritt  Artikel in Merkliste

08.07.2008 von von Klaus Stratmann

Ja, die G8-Staaten haben es getan. Sie haben sich beim Klimaschutz bewegt. Zwar nur einige Millimeter weit, aber immerhin: Es gibt einen Fortschritt. Kommentar