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07.09.2007 
Studie zu transatlantischen Beziehungen

Tiefe Gräben zwischen Amerikanern und Europäern

von Andreas Rinke

Europäer und Amerikaner wollen weltweit gemeinsam agieren – aber bei anderen Themen und mit anderen Mittel. Das ist das Ergebnis einer umfassenden Umfrage des German Marshall Fund (GMF) in zwölf Ländern beidseits des Atlantik. Danach hat sich die unterschiedliche Weltsicht trotz eines veränderten Kurses der Bush-Regierung kaum geändert.

Das Misstrauen gegenüber der Supermacht wächst einer Umfrage zufolge. Grafik: HBLupe

Das Misstrauen gegenüber der Supermacht wächst einer Umfrage zufolge. Grafik: HB

BERLIN. Bereits in den vergangenen jährlichen Umfragen hatte der GMF seit dem Irakkrieg ein Auseinanderklaffen der Ansichten und einen erheblichen Ansehensverlust der Supermacht USA festgestellt. Auch die gestern vorgestellte Studie „Transatlantic Trends 2007“ stellt keine wirkliche Korrektur fest, obwohl sich die transatlantischen Beziehungen auf politischer Ebene wieder erheblich verbessert haben. Mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy werden etwa die beiden größten EU-Staaten sogar von ausgesprochen Amerika-freundlichen Politikern regiert.

Dennoch begrüßen weiter nur 36 Prozent der befragten Europäer eine US-Führungsrolle in der Welt. Zwar ist das Ansehen von US-Präsident George W. Bush noch erheblich schlechter als das seines Landes. Aber fast die Hälfte der Europäer erwartet auch nach den US-Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr keine grundsätzlichen Veränderungen im transatlantischen Verhältnis.

In den USA wird zwar die Führungsrolle der Supermacht zwar mehrheitlich befürwortet. Aber der propagierte „Demokratie-Export“, mit dem der US-Präsident auch die militärischen Interventionen in Afghanistan und Irak begründet hatte, stößt auf immer größere Vorbehalte. Die Zustimmung sank von 52 Prozent im Jahr 2005 auf 45 Prozent in 2006 und bis auf 37 Prozent in diesem Jahr.

Angesichts neuer Herausforderungen wie Erderwärmung, Terrorismus und Energieabhängigkeit befürwortet dennoch eine Mehrheit (54 Prozent) der Europäer eine enge Zusammenarbeit zwischen den USA und Europa. Nur in Frankreich sprach sich eine Mehrheit für ein isoliertes Vorgehen der EU aus.

Stark auseinander klaffen die Ansichten über die einzusetzenden Mittel. Während die Europäer beim Engagement in der Welt vor allem auf Entwicklungshilfe, Handel und die Entsendung von Friedenstruppen setzen wollen, ist die Akzeptanz von Kampftruppen weiter gesunken. Nur noch 20 Prozent der Europäer und nur 16 Prozent der befragten Deutschen stimmen einem weltweiten Einsatz von Kampftruppen zu.

Dementsprechend unterschiedlich urteilen Europäer und Amerikaner auch im Atomstreit mit Iran. Zwar wird eine atomare Bewaffnung des Iran auf beiden Seiten des Atlantiks als Problem angesehen. Aber während fast die Hälfte der Amerikaner dies auch mit der Androhung militärischer Mittel verhindern würde, sprechen sich dafür nur 18 Prozent der Europäer aus.

Immer isolierter fühlt sich die Türkei. Das Ansehen des traditionellen Nato-Verbündeten USA sank 2007 nochmals drastisch ab und verbucht mit elf von 100 Punkten ein historisches Tief. Aber auch die Zahl der Türken, die eine EU-Mitgliedschaft befürwortet, fiel von 55 auf rund 40 Prozent. Parallel dazu wird auch das Türkeibild in der EU schlechter. Nur noch 22 Prozent der EU-Bürger und sogar nur 16 Prozent der Deutschen befürworten laut GMF einen Beitritt. Interessanterweise erwarten dennoch fast zwei Drittel der Deutschen, dass die Türkei dennoch eines Tages EU-Mitglied werden wird.

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