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17.05.2008 
Kinderschuhe

Der Schuh-Macher

von Chris Löwer

Willy Steffen Iser ist ein erfolgreicher Headhunter – bis zu dem Tag, als seine Tochter ihre ersten Schuhe braucht. Er fühlt sich schlecht beraten und gründet eine eigene Firma für passgenaue Kinderschuhe. Wie der Produktionsmensch Iser mit neuen Geschäftsideen und unerschütterlichen Überzeugungen den Markt für Kinderschuhe revolutioniert.

Der Kauf von Kinderschuhen erweist sich für viele Eltern als Alptraum. Mit passgenauen Kinderschuhen will die Firma Cangorino nun Abhilfe schaffen. Foto: ArchivLupe

Der Kauf von Kinderschuhen erweist sich für viele Eltern als Alptraum. Mit passgenauen Kinderschuhen will die Firma Cangorino nun Abhilfe schaffen. Foto: Archiv

HB. Der leicht klapprige Mini Cooper von Willy Steffen Iser macht vor dem Gymnasium ordentlich was her. Schickes Ding unter all den kantigen VW Polos und Opel Corsas. Doch Isers erstes Auto macht bald schlapp. Autowerkstätten winkten beim Blick unter die Haube ab: kapitaler Motorschaden, hat keinen Zweck mehr. Aber ein Mechaniker meinte: "Pass auf Junge, Menschen haben dieses Auto zusammengeschraubt. Warum sollte es dir nicht gelingen, das Gleiche zu tun?"

Die Botschaft war klar und unmissverständlich. Iser holte als Ersatzteillager einen Motor vom Schrottplatz, zerlegte ihn und fummelte alles so lange zusammen, bis der Mini wieder schnurrte. Was ihm dabei half, ist eine Eigenschaft, die ihn Jahre später vom erfolgreichen Headhunter zum Schuhverkäufer werden ließ: "Praktische Intelligenz" nennt er sie.

Nein, dieses Vermögen, sich unbefangen in völlig unbekannte Materie einzuarbeiten, sich dabei auch mal die Finger schmutzig zu machen und, wenn's hakt, den Mut nicht zu verlieren, führte Herrn Iser nicht an die Registrierkasse eines Schuhhändlers - er wurde gleich selbst zum Produzenten für Kinderschuhe, die er seit 2004 unter dem Label Cangorino vermarktet.

Vor zehn Jahren hätte er sich nicht träumen lassen, dass es so weit kommen würde. Er hatte damals noch nicht mal ein besonderes Interesse an Schuhen, mal abgesehen von den rahmengenähten englischen Lederlatschen, "eine beratertypische Berufserscheinung", wie Iser meint. Doch alle Formen des Schuhfetischismus sind ihm fremd, wie der gebürtige Aschaffenburger beteuert.

Etwas anderes geschieht in seinem Leben. 2001 wird Violetta geboren, seine Tochter. Ein gutes Jahr später lernt sie laufen. Iser stapft los, will Schuhe kaufen. Ein Debakel. Schlechte bis keine Beratung, ein Wirrwarr von Schuhgrößen wird offeriert, wo doch nur eine angemessen sein kann. Iser fasst es nicht.

Eine Blitzumfrage im Bekannten- und Freundeskreis ergibt: Schuhkauf mit Kindern ist Horror, weil der Handel das Geschäft eher halbherzig mitlaufen lässt, und die lieben Kleinen das wohl auch irgendwie spüren, weil sich nicht selten Szenen im Schuhgeschäft abspielen, als ob ihnen der leibhaftige Zahnarzt mit einem XL-Bohrer erscheinen würde. Stillhalten, messen, wieder und wieder Füßchen in Schuhe quetschen, die am Ende doch zu klein sind, obwohl die Größenbezeichnung anderes vermuten lässt.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Das Heil in der Blindheit.

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