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20.05.2008 
Kanal TF1

Frankreichs TV-König in argen Nöten

von Holger Alich

Jahrelang dominierten sie den Markt nach Belieben, nun geht es bergab: Der französische Fernseh-Marktführer TF1 kommt mit der Konkurrenz der neuen, digitalen Kanäle nicht zurecht. Sowohl Marktanteile als auch Werbeeinnahmen brechen geradezu ein. Der Marktführer ist einfach zu hausbacken.

Nicolas Sarkozy wartet auf den Beginn eines Interviews mit TF1 (Archivfoto November 2006). Eine Entscheidung des derzeitigen Staatschefs könnte nun helfen. Foto: ReutersLupe

Nicolas Sarkozy wartet auf den Beginn eines Interviews mit TF1 (Archivfoto November 2006). Eine Entscheidung des derzeitigen Staatschefs könnte nun helfen. Foto: Reuters

PARIS. Die Franzosen sind mit Blick auf ihr Kulturangebot stolz auf ihre "exception française". Eine Sonderstellung in Europa hat bisher auch Frankreichs TV-Marktführer TF1 inne: Der börsennotierte Sender, der vom Mischkonzern Bouygues kontrolliert wird, kam 2007 noch auf Zuschauer-Marktanteile von über 30 Prozent. Deutschlands Marktführer RTL hat gerade mal gut die Hälfte dieses Wertes. Doch die Zeit der Gemütlichkeit ist auch in Frankreich vorbei.

Das 2005 gestartete digitale terrestrische Fernsehen wirbelt mit seinen neuen Kanälen den Markt in Frankreich durcheinander. Anfang des Jahres rutschte der Marktanteil von TF1 erstmals in der Geschichte des Unternehmens deutlich unter die 30-Prozent-Marke. Vergangene Woche schockte das Management mit der Prognose, dass 2008 die Werbe-Einnahmen sinken werden. Wenige Wochen vorher hatten die Macher noch Umsatzwachstum prognostiziert.

Jahrzehntelang dominierte TF1 nach Belieben den Zuschauer- und Werbemarkt, denn über Antenne konnten die Franzosen nur fünf Programme kostenlos empfangen. Während die Deutschen seit den 80er-Jahren per Satellit oder Kabel gleich dutzendweise neue Sender in die Wohnstuben bekamen, blieb den Franzosen nur die Alternative, ein teures Programm-Paket wie Canal-Sat zu abonnieren.

Der neue Wettbewerb legt nun die Schwächen des Geschäftsmodells der Gruppe TF1 offen, denn es ist nach wie vor überwiegend auf den Hauptsender ausgerichtet. "Zu den strukturellen Problemen addieren sich hausgemachte Management-Fehler", meint Nicolas Gindre, Medien-Analyst des Brokers Exane BNP Paribas. Die TF1-Verantwortlichen hätten es unterlassen, sich bei der Verteilung der Frequenzen für das neue Digital-TV einen Platz für einen neuen Spartensender zu sichern. TF1 beließ die Töchter Eurosport und den Infokanal LCI im Pay-TV. Lediglich mit TMC, der zu 40 Prozent zum Konzern gehört, ist die Gruppe TF1 zusätzlich vertreten.

"Dabei sind es heute diese Digital-Kanäle, die das Wachstum bringen", so Experte Gindre. Indirekt räumt TF1 ein, einen Fehler gemacht zu haben: "Wenn es einen Digital-Kanal zu kaufen gäbe, wären wir daran interessiert", erklärte der Konzern auf Anfrage.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hilft Sarkozy?

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