Nun hat es also auch Deutschland erwischt: bis vor kurzem noch das Kraftwerk Europas, ausschlaggebend dafür, dass der Euro-Raum zumindest im Durchschnitt bisher der Konjunkturabschwächung so überraschend gut widerstanden hat. Ein Ifo-Geschäftsklimaindex, der in einem Rutsch auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren absackt, zeigt deutlich, dass auch die deutsche Konjunktur nicht unverwundbar ist.
Irgendwann musste es ja so kommen, sagen die Analysten jetzt – und sie haben recht. Deutschland konnte sich länger als viele andere europäische Länder dem Abwärtssog aus den USA entziehen, weil es ins übrige Europa weiterhin kräftig exportierte. Die Ausfuhr in die USA und andere Länder des Dollar-Raums leidet zwar bereits beträchtlich unter dem hohen Euro-Kurs, aber für den innereuropäischen Handel spielt der Wechselkurs keine Rolle – zunächst keine Rolle, muss man einschränken.
Deutschlands europäische Handelspartner und Konkurrenten stecken in der Zange. Der hohe Euro-Kurs macht ihre Produkte außerhalb des Euro-Raums teurer, immer häufiger zu teuer. Und weil die Löhne in Deutschland seit Beginn der Währungsunion viel schwächer gestiegen sind als in Frankreich, Italien und Spanien, haben diese Länder auch gegenüber dem größten Land innerhalb des Euro-Raums sehr stark an Wettbewerbsfähigkeit verloren.
Das ging so lange gut, wie die Weltwirtschaft brummte. Seit sie sich abschwächt, tritt das Problem offen zutage. Auf dem Umweg über die Wirtschaftsschwäche der Nachbarstaaten holen nun der starke Euro und die schwächelnde Weltwirtschaft auch Deutschland ein.
Die Hoffnung, dass die Binnennachfrage sich auf wundersame Weise so sehr belebt, dass sie den Gegenwind vom internationalen Umfeld ausgleicht, hat kaum etwas für sich. Die hohen Energie- und Rohstoffpreise sorgen dafür, dass sehr viel Kaufkraft ins Ausland abfließt. Geld, das die Konsumenten ausgeben, um den Öl- und Benzintank zu füllen, steht nicht mehr zur Verfügung, um damit im Restaurant oder im Kaufhaus zu bezahlen.
Es ist absehbar, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland im laufenden zweiten Quartal sehr schwach und im übrigen Europa auch nicht gut sein wird. In den nächsten Wochen dürften daher die schlechten Nachrichten von der Konjunkturseite dominieren.
Einen Hoffnungsschimmer gibt es aber auch. In den USA, in deren Immobilienmarkt die Wurzel der Konjunkturschwäche und der Finanzkrise liegt, macht sich Optimismus breit, dass es schon im zweiten Halbjahr wieder nach oben gehen könnte. Massive Zinssenkungen der Notenbank und ein großes Konjunkturprogramm der Regierung lassen dieses optimistische Szenario möglich erscheinen. Tritt es ein, dann kommt die Wirtschaft hierzulande mit einem blauen Auge davon.
Geht es dagegen in den Vereinigten Staaten weiter abwärts, dann werden sich Europa und auch Deutschland dem Sog nicht entziehen können. Leider gibt es zurzeit noch wenig Grund zur Entwarnung für die USA. Am Immobilienmarkt ist noch kein Ende der Krise in Sicht. Das Gleiche gilt für die Krise der Banken, die sich mit windigen Finanzprodukten verhoben haben.

