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14.05.2008 
Credit Agricole

Analyse: Zurück zu den Wurzeln

von Holger Alich

Die Bankengruppe Crédit Agricole wurde im Jahr 1894 gegründet, um Frankreichs Bauern mit Krediten zu versorgen. Und nicht, um mit strukturierten Zinsderivaten zu spekulieren. Diese Basis des Geschäfts ist den Verantwortlichen des genossenschaftlichen Bankenriesen offenbar wieder siedeheiß eingefallen. Denn nun soll die hauseigene Investmentbank künftig klein gehalten werden, sie bekommt weniger Eigenkapital zugesprochen. Das ist so, als würde man einem Motor die Benzinleitung zudrehen.Die Entscheidung ist konsequent: Denn es ist schon beschämend, dass ausgerechnet die als solide geltende Agrarbank mit Abstand die höchsten Subprime-Verluste aller Banken Frankreichs zu verzeichnen hat: 2007 und 2008 summieren sich die Verluste auf 4,5 Milliarden Euro.

Mit der nun eingeläuteten Strategiewende nimmt der Crédit Agricole von dem Plan Abschied, das Geschäftsmodell der Rivalen BNP Paribas und Société Générale zu kopieren. Dieses Modell fußt auf den Einnahmeströmen aus dem Retail-Banking und dem Geschäft mit Konsumentenkrediten, flankiert von einer Investment-Banking-Expertise in ausgewählten Bereichen. Die so generierten Gewinne werden in die Auslandsexpansion investiert. BNP Paribas und Société Générale haben sich indes schon vor Jahren im Investment-Banking beim Wachstumsgeschäft Derivate eine Führungsposition erarbeitet. Diesen Rückstand wollten die Agrarbanker auf Teufel komm heraus aufholen – und erlitten nun Schiffbruch.

Im Jahr 2003 hat die Regierung bewusst die staatliche Crédit Lyonnais an Crédit Agricole verkauft, um einen neuen Banken-Champion zu schaffen. Die neue Bescheidenheit des Crédit Agricole bedeutet daher auch das Scheitern der französischen Industriepolitik.

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