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15.05.2008 
Konjunktur

Starkes Signal

von Dorit Heß

Stell dir vor, es ist Krise, und keiner geht hin. Der Spruch drängt sich auf mit Blick auf das starke Wachstum des Bruttoinlandsprodukts. Viele hatten eine gute Zahl erwartet. Aber wie gut sie tatsächlich wurde, hat alle Volkswirte überrascht: in Wirtschaftsforschungsinstituten genauso wie in Banken, im Bundeswirtschaftsministerium und im Sachverständigenrat. 1,5 Prozent, so viel hat die deutsche Wirtschaft letztmals 1996 zugelegt.

Warum die Experten die Stärke der Wirtschaft derart deutlich unterschätzt haben, werden sie erst Ende Mai erfahren. Dann legt das Statistische Bundesamt die Details vor, erläutert, wie sich das Wachstum zusammensetzt.

Die neue Zahl zeigt, wie schwer die wirtschaftliche Entwicklung im Moment zu verstehen ist. Auf der einen Seite erleben wir eine dramatische Finanzkrise, deren ganzes Ausmaß just im ersten Quartal 2008 sichtbar wurde. Auf der anderen Seite brummt außerhalb der Finanzbranche die Konjunktur, als sei nichts geschehen.

Dieses merkwürdige Ungleichgewicht wird nach aller Voraussicht nicht mehr lange andauern. Im Laufe des Jahres, spätestens 2009, dürfte die deutsche Wirtschaft die Probleme zu spüren bekommen, die ausgehend vom US-Immobilienmarkt die weltweite Finanzkrise ausgelöst haben.

Trotzdem ist es erlaubt, die unerwartet gute Zahl als Signal der Hoffnung zu werten. Sie zeigt eben, dass die deutsche Wirtschaft überaus robust ist. Sie wird Probleme bekommen, aber sie hat auch die Stärke, damit fertig zu werden. Vor allem dann, wenn die Unternehmen und Tarifparteien diszipliniert bleiben und die Politik nicht zu viel dazwischenfunkt. Irgendwann sagen wir vielleicht: Stell dir vor, wir hatten eine dramatische Krise – aber sie hat uns nur gebremst, nicht gestoppt.

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