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17.03.2008 
Stromsektor

„Der Markt fährt gegen die Wand“

von Olaf Storbeck und Klaus Stratmann

Der Kölner Ökonom Axel Ockenfels - einer der führenden deutschen Wirtschaftswissenschaftler - warnt vor Kapazitätsengpässen in der Stromverversorgung und vor weiter steigenden Strompreisen. Im Interview mit dem Handelsblatt spricht Ockenfels über die Gefahr eines Blackouts - und die unsichere Zukunft der großen Übertragungsnetze.

Die Warnungen vor  Kapazitätsengpässen in der Stromverversorgung und vor weiter steigenden Strompreisen werden lauter. Foto: dpaLupe

Die Warnungen vor Kapazitätsengpässen in der Stromverversorgung und vor weiter steigenden Strompreisen werden lauter. Foto: dpa

Handelsblatt: Herr Ockenfels, die Energiepreise steigen, die Gewinne der Stromkonzerne ebenfalls. Was sagt der Ökonom dazu?

Ockenfels: Steigende Strompreise sind für viele Verbraucher und Unternehmen ein Problem. Zugleich spricht jedoch nüchtern betrachtet wenig dafür, dass sie aus Wettbewerbssicht überhöht sind. Im Gegenteil, die Preise dürften weiter steigen.

Warum?

Die entscheidende Frage wird sein, ob wir die erforderlichen Investitionen im Stromsektor bekommen. Da sieht es nicht gut aus. Ich sehe die Gefahr, dass der Markt gegen die Wand gefahren wird.

Was stimmt Sie so pessimistisch?

Wir beobachten eine zunehmende Lücke zwischen dem Bedarf und den Projekten, die umgesetzt werden.

Woran liegt das?

Es gibt hohe administrative Hürden, Widerstände in der Bevölkerung und einen starken Anstieg bei den Neubaukosten. Wichtiger noch sind allerdings die politischen Rahmenbedingungen. Mal ehrlich: Würden Sie in einer Situation Milliarden investieren, in der die Profitabilität aufgrund ungeklärter Zertifikatezuteilung nach 2012 völlig unklar ist? Oder in der Politik und Öffentlichkeit in aufgeheizter Atmosphäre Markteingriffe bis hin zur Zerschlagung der Erzeuger fordern?

Welche Rolle spielt die Novelle des Kartellrechts, die es der Wettbewerbsaufsicht ermöglicht, gegen missliebige Preisgestaltung vorzugehen?

Das Instrument fußt implizit auf der Annahme, dass sich Gewinne und Kosten in Strommärkten stets die Waage halten. Das ist falsch. Daher besteht die realistische Gefahr, dass die Novelle den Wettbewerb und die Investitionen schädigt.

Was wäre die Folge?

Die Probleme, über die wir heute lamentieren, werden dagegen verblassen. Wird Kapazität knapp, dann steigt der Preis über alle Grenzen, dazu gibt es ein besonders hohes Marktmachtpotenzial, und die Zuverlässigkeit der Stromversorgung wird gefährdet sein. Wenn der Markt sich erst einmal in diese Richtung entwickelt hat, wird es Jahre dauern, ehe die Fehler ausgebügelt werden können. Dass dies keine rein theoretische Sorge ist, zeigen Beispiele aus Ländern, die ihre Energiemärkte früher liberalisiert haben.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Wie sich die hohen Investitionskosten auf mehrere Schultern verteilen lassen.

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