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10.04.2008 
Debatte

Ökonomen streiten über Lehren aus der Krise

von Torsten Riecke

Die Finanzkrise wird immer stärker zur Belastung für die Weltkonjunktur. Experten streiten nun über die Wechselwirkungen von realer Wirtschaft und Finanzwelt. Klar ist: Politik und Notenbanken stehen vor neuen Herausforderungen.

NEW YORK. Die akute Finanzkrise hat unter Ökonomen eine lebhafte Debatte über die Wechselwirkungen zwischen realer Wirtschaft und der Finanzwelt ausgelöst. War es in der Vergangenheit meist so, dass die Finanzindustrie von einem Konjunkturabschwung erfasst und die wirtschaftliche Talfahrt dadurch noch verschärft wurde, ist es diesmal genau umgekehrt. Der Krisenherd liegt im Finanzsystem und breitet sich immer weiter auf den Rest der Wirtschaft aus.

Die neue Wirklichkeit des Finanzkapitalismus im 21. Jahrhundert stellt auch Politiker und Notenbanken auf die Probe. Mit herkömmlichen geldpolitischen Maßnahmen ist der aktuellen Kreditklemme offenbar nur schwer beizukommen. Die massiven Zinssenkungen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) um drei volle Prozentpunkte auf 2,25 Prozent seit August 2007 haben ein Übergreifen der Krise auf Verbraucher und Unternehmen nicht verhindern können.

Wenn sich die Finanzminister und Notenbankchefs der führenden sieben Industrieländer (G7) am Wochenende in Washington treffen, wird es auch um eine effektivere Krisenbekämpfung gehen. Eine besondere Rolle fällt dabei dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zu. „Der Fonds muss seine analytischen Werkzeuge stärker auf die Frage ausrichten, wie das Finanzsystem die reale Wirtschaft beeinflusst. Das ist auch eine Aufgabe der Wissenschaft“, sagte Mohamed El-Erian kürzlich dem Handelsblatt. Der langjährige IWF-Manager steuert heute den weltgrößten Anleihehändler Pimco.

Wie Entwicklungen auf den Vermögensmärkten das Geschehen in der realen Wirtschaft beeinflussen, ist seit Jahren ein Streitthema unter Ökonomen. Einig sind sich die Experten zwar darin, dass es starke Wechselwirkungen zwischen den beiden Welten der Wirtschaft gibt. Über die Frage, ob Notenbanken deshalb gezielt gegen Verwerfungen auf den Finanzmärkten vorgehen sollen, wird jedoch gestritten. Die aktuelle Immobilienkrise ist dafür keineswegs das erste Beispiel. Bereits während des Technologiebooms Ende der 90er-Jahre forderten Volkswirte, dass die Notenbanken frühzeitig gegen Spekulationsblasen vorgehen müssten, um Schaden vom Rest der Wirtschaft abzuwenden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Die Verantwortung der Fed.

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